Apanies Reisen

TASCHLER, Judith W. (2018): Apanies Reisen. 2018.

Abstract

TASCHLER, Judith W.: „Apanies Reisen“, Erzählungen, München 2015
In vier Geschichten zeigt Frau Taschler die Qualität ihrer Erzählkunst und zieht den Leser in ihre spannenden Texte hinein.
In der ersten wird ein Bogen von einem amerikanischen Besatzungssoldaten, der eine Österreicherin geschwängert hatte bis zu dessen Enkel, der ihn in Amerika aufstöbert gezogen. Eine Geschichte mit Tiefgang, in der dem Leser ein Mörder der Nazi-Zeit gegenübersteht.
In der Erzählung „Bis der Tod uns scheidet“ zeigt sie sehr anschaulich die Situation der katholischen Kirche im Umgang mit Geschiedenen, die wieder heiraten wollen auf.
Die dritte Geschichte ist sehr phantasiebehaftet. Der Euro wurde abgeschafft. Nationale Währungen wurden wiedereingeführt. Nur ein Teil des alten EU Geldes konnte umgetauscht werden. Der Rest verfiel. Leute begannen Lebensmittel zu hamstern. Geschäfte sperrten zu. Der Sohn aus der Stadt kommt heim zu seinen alten Eltern am Land.
Die letzte und vierte Erzählung hat als Proponentin (wenn man das so nennen darf) eine Perlenkette. Die Autorin verwendet ihren Werdegang als Leitfadem durch die 60-seitige Erzählung. Vom Entstehen, wie eine Eingeborene in Australien die Perlen aus dem Meer taucht und anschließend von Haien getötet wird, über ihren Verlobten, einem Aborigines weiter über australische Juweliere zu einem Wiener Adeligen, der die zu einer über einen Meter langen Kette verarbeiteten Perlen seiner Frau schenkt. Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutete auch das Ende der Monarchie und Aristokraten verarmen. Die Kette wird aber weitergereicht, bis sie ein Einsiedler, der ein Liebespaar auf einer Wiese beobachtet und die Frau die Kette liegen lässt sie aufnimmt. Man will sie ihm entwenden. Sie zerreißt und er trägt die Perlen mit Hochachtung in seiner Hosentasche. Als er bei einer Arbeit abstürzt und sieht, dass er sterben muss, schluckt er alle Perlen, damit sie Niemandem in die Hände fallen.
So wie die Kettenschnur die einzelnen Perlen zusammenhält bringt die Kette erzählerisch Menschenschicksale zusammen. Eine großartige Parabel.
Nach verschiedenen erfolgreichen Romanen zeigt Taschler ihre begnadete Erzählkunst. Sehr zur Freude der Leser!

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    In der ersten wird ein Bogen von einem amerikanischen Besatzungssoldaten, der eine Österreicherin geschwängert hatte bis zu dessen Enkel, der ihn in Amerika aufstöbert gezogen. Eine Geschichte mit Tiefgang, in der dem Leser ein Mörder der Nazi-Zeit gegenübersteht. 
    In der Erzählung „Bis der Tod uns scheidet“ zeigt sie sehr anschaulich die Situation der katholischen Kirche im Umgang mit Geschiedenen, die wieder heiraten wollen auf. 
    Die dritte Geschichte ist sehr phantasiebehaftet. Der Euro wurde abgeschafft. Nationale Währungen wurden wiedereingeführt. Nur ein Teil des alten EU Geldes konnte umgetauscht werden. Der Rest verfiel. Leute begannen Lebensmittel zu hamstern. Geschäfte sperrten zu. Der Sohn aus der Stadt kommt heim zu seinen alten Eltern am Land.
    Die letzte und vierte Erzählung hat als Proponentin (wenn man das so nennen darf) eine Perlenkette.  Die Autorin verwendet ihren Werdegang als Leitfadem durch die 60-seitige Erzählung. Vom Entstehen, wie eine Eingeborene in Australien die Perlen aus dem Meer taucht und anschließend von Haien getötet wird, über ihren Verlobten, einem Aborigines weiter über australische Juweliere zu einem Wiener Adeligen, der die zu einer über einen Meter langen Kette verarbeiteten Perlen seiner Frau schenkt. Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutete auch das Ende der Monarchie und Aristokraten verarmen. Die Kette wird aber weitergereicht, bis sie ein Einsiedler, der ein Liebespaar auf einer Wiese beobachtet und die Frau die Kette liegen lässt sie aufnimmt. Man will sie ihm entwenden. Sie zerreißt und er trägt die Perlen mit Hochachtung in seiner Hosentasche. Als er bei einer Arbeit abstürzt und sieht, dass er sterben muss, schluckt er alle Perlen, damit sie Niemandem in die Hände fallen.
    So wie die Kettenschnur die einzelnen Perlen zusammenhält bringt die Kette erzählerisch Menschenschicksale zusammen. Eine großartige Parabel.
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