Augen auf und durch – Gebrauchsanweisung für unruhige Zeiten

LACZYNSKI, Michael: (2018): Augen auf und durch – Gebrauchsanweisung für unruhige Zeiten. 2018.

Abstract

LACZYNSKI, Michael: „Augen auf und durch – Gebrauchsanweisung für unruhige Zeiten“, Salzburg Wien 2018
Der in Wien arbeitende Pole Laczynski macht sich Gedanken über die internationalen Vorgänge und Veränderungen in der Politik. Es ist sehr gut geschrieben zeigt sehr analytisch die politischen Problemfelder auf. Selbst demokratische Länder wie die USA, Polen, Ungarn, Türkei u.a. haben Veränderungen hin zu Diktaturen. „Es ist, als ob die Demokratie eine Flasche wäre, die man zerschlagen kann, um jemanden damit wehzutun.“ (Seite 10) Für den heutigen Wähler ist eine Positionierung schwieriger als in vorangegangenen Generationen: links/rechts oder liberal/konservativ gibt es nicht mehr.
Das Internet mischt bei den Veränderungen mit und im Buch wird es der „Maschinenraum des Alltags“ genannt. Journalisten sollten für den Buchautor keine richtigen Antworten liefern, sondern die richtigen Fragen stellen – was sehr oft nicht der Fall ist.
Laczynski zeigt den reduzierten Stellenwert der Experten in unserer Gesellschaft auf und versucht verschiedene Lösungsansätze, wie man in unserer Gesellschaft, die von Populisten und Nicht-Experten geprägt ist zurechtkommen kann. Er gibt dabei sogar extreme Empfehlungen, wie das Einnehmen der Rolle eines Trolls, eines Menschen, der gegen alles ist und immer Extremstellungen einnimmt, ab. Er gibt diesem Verhaltensmuster etwas Positives, weil dadurch andere Player beflügelt werden bessere Lösungen zu erarbeiten. Journalisten kommen bei ihm nicht gut weg, weil sie oft Fehlinformanten sind. Trump wird oft als negatives Beispiel hingestellt, wie man mit „Argumentum ad hominem (Beschimpfung) sachliche Diskussionen zerstört. Wirklichkeit und Wahrnehmung liegen oft weit auseinander: Deutsche schätzten den Anteil der Muslime in ihrem Land auf 21 %. Tatsächlich waren es nur 5%. Mit Worten kann man manipulieren. Als Beispiel wird in diesem Buch „Arbeitnehmer“ und „Arbeitgeber“ gebracht. Begriffe, die aus Machtpolitik heraus so verwendet werden, in ihrer Aussagekraft aber umgekehrt sind: die Arbeiter sind diejenigen, die „Arbeit geben“ und die Unternehmer die, die „Arbeit nehmen“. Ähnlich verhält es sich mit „Zuwanderung“ und „Einwanderung“. „Einwanderer“ wollen bleiben. „Zuwanderer“ sind nur Teilzeit anwesend.
Das Buch versprach in seiner Ankündigung Lösungen zu unserer „unruhigen Zeit“. Ein Kochbuch gegen die Wirren darf man sich nicht erwarten. Es sind aber kleine Schritte vorgegeben, wie etwa „Jeder einzelne Mensch sollte eine Demokratie sein, das heißt ungezählte pluralistische, einander widersprechende Auffassungen in sich aushalten und austragen.“ (Seite 141) Obwohl im nächsten Satz gleich gesagt wird, dass wir das nicht tun. Aussagen wie, dass ein zufriedener Goldfisch aus dem Aquarium heraus nicht erkennen kann, dass dunkle Wolken am Himmel auftauchen (Seite 162) ist dagegen nicht sehr hilfreich. Ebenso wie „Wir sollten die Augen offen halten und nach dem goldenen Mittelweg zwischen passivem Zynismus und naiver Realitätsverweigerung suchen“. (Seite 171)
Das Buch ist populärwissenschaftlich und gut verständlich geschrieben. Eine gute Journalistenarbeit, die sich aber auf wissenschaftliche Studien stützt, was sicher viel Recherche und Vorarbeit beinhaltet.

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    Das Internet mischt bei den Veränderungen mit und im Buch wird es der „Maschinenraum des Alltags“ genannt. Journalisten sollten für den Buchautor keine richtigen Antworten liefern, sondern die richtigen Fragen stellen – was sehr oft nicht der Fall ist. 
    Laczynski zeigt den reduzierten Stellenwert der Experten in unserer Gesellschaft auf und versucht verschiedene Lösungsansätze, wie man in unserer Gesellschaft, die von Populisten und Nicht-Experten geprägt ist zurechtkommen kann. Er gibt dabei sogar extreme Empfehlungen, wie das Einnehmen der Rolle eines Trolls, eines Menschen, der gegen alles ist und immer Extremstellungen einnimmt, ab. Er gibt diesem Verhaltensmuster etwas Positives, weil dadurch andere Player beflügelt werden bessere Lösungen zu erarbeiten. Journalisten kommen bei ihm nicht gut weg, weil sie oft Fehlinformanten sind. Trump wird oft als negatives Beispiel hingestellt, wie man mit „Argumentum ad hominem (Beschimpfung) sachliche Diskussionen zerstört. Wirklichkeit und Wahrnehmung liegen oft weit auseinander: Deutsche schätzten den Anteil der Muslime in ihrem Land auf 21 %. Tatsächlich waren es nur 5%. Mit Worten kann man manipulieren. Als Beispiel wird in diesem Buch „Arbeitnehmer“ und „Arbeitgeber“ gebracht. Begriffe, die aus Machtpolitik heraus so verwendet werden, in ihrer Aussagekraft aber umgekehrt sind: die Arbeiter sind diejenigen, die „Arbeit geben“ und die Unternehmer die, die „Arbeit nehmen“. Ähnlich verhält es sich mit „Zuwanderung“ und „Einwanderung“. „Einwanderer“ wollen bleiben. „Zuwanderer“ sind nur Teilzeit anwesend.
    Das Buch versprach in seiner Ankündigung Lösungen zu unserer „unruhigen Zeit“. Ein Kochbuch gegen die Wirren darf man sich nicht erwarten. Es sind aber kleine Schritte vorgegeben, wie etwa „Jeder einzelne Mensch sollte eine Demokratie sein, das heißt ungezählte pluralistische, einander widersprechende Auffassungen in sich aushalten und austragen.“ (Seite 141) Obwohl im nächsten Satz gleich gesagt wird, dass wir das nicht tun. Aussagen wie, dass ein zufriedener Goldfisch aus dem Aquarium heraus nicht erkennen kann, dass dunkle Wolken am Himmel auftauchen (Seite 162) ist dagegen nicht sehr hilfreich. Ebenso wie „Wir sollten die Augen offen halten und nach dem goldenen Mittelweg zwischen passivem Zynismus und naiver Realitätsverweigerung suchen“. (Seite 171)
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