Codename Brooklyn. Jüdische Agenten im Feindesland. Die Operation Greenup 1945

PIRKER Peter (2019): Codename Brooklyn. Jüdische Agenten im Feindesland. Die Operation Greenup 1945. 2019.

Abstract

PIRKER, Peter: „Codename Brooklyn. Jüdische Agenten im Feindesland. Die Operation Greenup 1945“, Innsbruck 2019
Ich habe das Buch durch ein Irrtum bekommen. Eigentlich lag es nicht auf meinem derzeitigen Interesse und so legte ich es zu dem Stoß der ungelesenen. Dann gab es aber eine Knappheit an Lesestoff und ich nahm es mir vor und das war gut so. Eine ausgezeichnete Dokumentation einer Zeit, von der wir, die nachkommende Generation zu wenig wissen. Als unsere Eltern darüber redeten, interessierte uns Kinder das nicht und heute, wo es uns interessieren würde leben die Eltern nicht mehr. Der Autor Peter Pirker – ein Experte, ein Historiker – hat für mich in akribischer Genauigkeit das Thema aufgearbeitet. Im Grund fokussiert er sich auf Tirol, ohne aber die Gesamtsituation aus dem Auge zu verlieren und auch in seine Dokumentation einzubeziehen. Wie die Alliierten – und hier vor allem die Amerikaner – mit speziell ausgebildeten Soldaten Einfluss und Informationen aus dem Deutschen Reich bekommen wollen wird in diesem Buch an Hand von drei Proponenten aufgezeigt. Es sind nach Amerika Geflüchtete. Juden und Desserteure der Deutschen Wehrmacht. Peter Pirker beschreibt deren Werdegang von der Jugend, dem Elternhaus bis hin zu ihrer Flucht und dem gefährlichen Einsatz für die Amerikaner.
Der transnationale Widerstand wird an Hand von drei Männern beschrieben, deren Interesse es war gegen den militanten Kampf des Nationalsozialismus aufzutreten. Fred Mayer, Hans Wijnberg und Dyno Loewenstein „wuchsen in den 1920-er Jahren in jüdischen Familien in Freiburg, Amsterdam und Berlin auf.“ (Seite 309) Zum Erfolg verhalf ihnen der vom Nationalsozialismus kommende Kriegsgefangene Franz Weber, mit dessen lokalen Wissen sich die Truppe in Tirol zurechtfinden konnte. Der Autor des vorliegenden Buches geht auch nicht (nur) mit vernichtender Kritik gegen ehemalige Nationalsozialisten vor, weil „persönliche Erwartungshaltungen auch Menschen aus oppositionellen Kulturellen und ideologischen Milieus für politische Maßnahmen des NS-Regimes öffneten, diese aber nicht als genuin nationalsozialistische Maßnahmen verstanden wurden, auch wenn sie erst von den Nationalsozialisten durchgeführt wurden.“ (Seite 112) Eine Betrachtungsweise, wie sie vielleicht erst nachkommenden Generationen möglich ist.
Kritisiert werden auch so manche Verherrlichungen über die Befreiung Österreichs, wie es etwa Hugo Portisch mit seiner Serie „Österreich II“ machte. Er verschwieg die Verdienste der Einsätze von außen, von Menschen, die sich im Untergrund – wie die drei im Buch beschriebenen Männer – bewegten und ihr Leben für die Befreiung riskierten. Journalisten werden durch ihren Beruf bekannt und populär. Viele von ihnen nützen dann diese Bekanntheit um sich auch auf Fachgebieten zu Wort zu melden, die nicht ihre sind, wie etwa in diesem Fall, in dem der Journalist Portisch Historiker spielt. „Hugo Portisch bevorzugt eine österreichische Version der Befreiung, wahrscheinlich in seiner von den ersten Nachkriegsjahren geprägten Denkweise, die Österreicher mit einer eigenen positiven Geschichte versorgen zu müssen.“ (Seite 119) Es ist aber gut, dass sich auch Experten, wie der Autor des vorliegenden Buches zu Wort melden und professionell Situationen aufzeigen.
Durch den Einsatz dieser drei, von außen eingeschleppten Widerstandskämpfern, die Stadt Innsbruck wehrlos den anrückenden amerikanischen Truppen übergeben. „Im Vergleich zu ähnlichen Situationen in anderen Städten in den Resten des Deutschen Reiches war die Anwesenheit des Greenup-Teams in Innsbruck ein entscheidender Faktor der kampflosen Übergabe.“ (Seite 312)
Pirker liefert mit dem Buch „Codename Brooklyn“ eine wichtige historische Dokumentation. Hinter dem Titel mit Brooklyn vermutet man ja nicht eine historische Beschreibung Tirols. Das Wort „Brooklyn“ wurde im Funkverkehr der drei Widerstandskämpfer mit den amerikanischen Truppen für „Innsbruck“ verwendet.

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    Der transnationale Widerstand wird an Hand von drei Männern beschrieben, deren Interesse es war gegen den militanten Kampf des Nationalsozialismus aufzutreten. Fred Mayer, Hans Wijnberg und Dyno Loewenstein „wuchsen in den 1920-er Jahren in jüdischen Familien in Freiburg, Amsterdam und Berlin auf.“ (Seite 309) Zum Erfolg verhalf ihnen der vom Nationalsozialismus kommende Kriegsgefangene Franz Weber, mit dessen lokalen Wissen sich die Truppe in Tirol zurechtfinden konnte. Der Autor des vorliegenden Buches geht auch nicht (nur) mit vernichtender Kritik gegen ehemalige Nationalsozialisten vor, weil „persönliche Erwartungshaltungen auch Menschen aus oppositionellen Kulturellen und ideologischen Milieus für politische Maßnahmen des NS-Regimes öffneten, diese aber nicht als genuin nationalsozialistische Maßnahmen verstanden wurden, auch wenn sie erst von den Nationalsozialisten durchgeführt wurden.“ (Seite 112) Eine Betrachtungsweise, wie sie vielleicht erst nachkommenden Generationen möglich ist.
    Kritisiert werden auch so manche Verherrlichungen über die Befreiung Österreichs, wie es etwa Hugo Portisch mit seiner Serie „Österreich II“ machte. Er verschwieg die Verdienste der Einsätze von außen, von Menschen, die sich im Untergrund – wie die drei im Buch beschriebenen Männer – bewegten und ihr Leben für die Befreiung riskierten. Journalisten werden durch ihren Beruf bekannt und populär. Viele von ihnen nützen dann diese Bekanntheit um sich auch auf Fachgebieten zu Wort zu melden, die nicht ihre sind, wie etwa in diesem Fall, in dem der Journalist Portisch Historiker spielt. „Hugo Portisch bevorzugt eine österreichische Version der Befreiung, wahrscheinlich in seiner von den ersten Nachkriegsjahren geprägten Denkweise, die Österreicher mit einer eigenen positiven Geschichte versorgen zu müssen.“ (Seite 119) Es ist aber gut, dass sich auch Experten, wie der Autor des vorliegenden Buches zu Wort melden und professionell Situationen aufzeigen. 
    Durch den Einsatz dieser drei, von außen eingeschleppten Widerstandskämpfern, die Stadt Innsbruck wehrlos den anrückenden amerikanischen Truppen übergeben. „Im Vergleich zu ähnlichen Situationen in anderen Städten in den Resten des Deutschen Reiches war die Anwesenheit des Greenup-Teams in Innsbruck ein entscheidender Faktor der kampflosen Übergabe.“ (Seite 312)
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