Ein verheißenes Land

OBAMA, Barack: Ein verheißenes Land. 2021.

Abstract

OBAMA, Barack: „Ein verheißenes Land“, München 2020
Obama ist kein Anfänger beim Schreiben eines Buches. Er tat es schon in Zeiten, in denen er noch nicht so populär war. Er tat es, um Geld zu verdienen. Bei diesem Buch verdient er noch mehr. Das typische Einkommen eines Ex-Politikers. Noch dazu erschien dieses Buch gemeinsam mit einem seiner Frau. Die deutschsprachige Ausgabe stimmte sie aufeinander im Designe ab; ja, der deutsche Verlag verkaufte die beiden Bücher auch im Paket.
Um es spannend zu machen beginnt der Autor bei dieser, seiner Selbstbiografie, mit ersten Eindrücken aus dem Präsidentenbüro, aus dem White House. Erst langsam nähert er sich seiner eigenen Geschichte und erzählt aus seinem Elternhaus, woher er kommt (Hawaii), dass sein Vater ein Afrikaner war, den er aber nicht kannte, weil er seine Mutter früh verließ und nach Kenia zurückkehrte. Er wurde von seiner berufstätigen Mutter und hauptsächlich von seiner Großmutter aufgezogen. Dazwischen war er – seine Mutter wurde dorthin versetzt – in Indonesien, wo seine Mutter wieder einen Einheimischen heiratete. Auch diese Ehe ging zu Bruche und die Mutter kehrte mit ihm und seiner Halbschwester wieder nach Hause zur Großmutter zurück.
Obama erzählt dann von all seinen Jobs und seiner Familie. Wie er seine Frau kennengelernt hat, wie sie eine Familie gründeten und wie er dann zur Politik kam. Beide – Herr und Frau Obama – haben sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet und gute Positionen erreicht. Barack aber wollte mehr. In einer „Zeit, in der der bloße Gedanke an einen Schwarzen US-Präsidenten genauso abwegig erschienen wäre wie die Vorstellung von einem Schwein, das fliegt.“ (Seite 291) Aber sein Ehrgeiz führte ihn über die Position eines Senators letztlich zum Sieger als Präsidentschaftsanwärter der Demokraten und als solcher auch ins Weiße Haus. Er rechtfertigte dieses sein Ziel damit, dass „wir alle tief in unserem Inneren die Ersten sein und für große Leistungen gefeiert werden wollen.“ (Seite 111)
Die Übersiedlung der Familie mit zwei Mädchen war ein tiefer Einschnitt im Leben. Viele Dinge konnten nicht mehr gemacht werden. Im Weißen Haus stand ihnen zwar eine Infrastruktur zur Verfügung, die an ein Märchenschloss erinnerte: mehrere Tausend Quadratmeter Wohnraum, ein Fitnesscenter, ein Pool, ein Tennisplatz, ein Kino, eine Kegelbahn, eine Arztpraxis … ABER sie konnten sich nicht mehr frei bewegen und waren immer überwacht.
Ein Lebensabschnitt auf 1000 Seiten geschildert ist schon ein Stück harter Arbeit für den Leser. Viele Details und Namen sind für Europäer nichtssagend und unverständlich. Aber man bekommt ein Gefühl für den Hergang und die Entwicklung des Menschen Barack Obama. Wie es keine leichte Entscheidung für ihn und seine Frau war, dass er in die Politik ging. Zuerst als Senator von Illinois und erst später – als Unbekannter – als Präsidentschaftskandidat. Neu für uns Europäer ist auch der Hergang der Vorwahlen, die innerhalb der eigenen Partei ausgefochten wird. Mit welcher Härte Gleichgesinnte gegeneinander antreten. Wieviel Geld schon für diese interne Auswahl aufgewendet wird. Obama begann mit etwa 200 Mitarbeitern. Am Ende der mehrjährigen Wahlkampagne hatte er mehr als 1000 Mitarbeiter.
Bei Themen, wie der Gesundheitsreform gibt Obama in diesem Buch auch eine historische Einführung, wie sich dieses Gebiet in Amerika und international entwickelt hat. Gleich nach Antritt seines Amtes muss er landesinterne Probleme, wie eine Wirtschaftskrise lösen. Die amerikanische Autoindustrie braucht riesige Beträge um vor dem Aus gerettet zu werden. Die Banken müssen unterstützt werden. Hilfeleistungen kamen den Reichen zugute. Alles Aktionen, die er als „sozialistischer“ Kandidat nur schwer mit seiner Überzeugung vereinbaren konnte. Ein soziales Gesundheitssystem – „Obamacare“ – war nur schwer und mit vielen Abstrichen durchzusetzen. Die Benachteiligung der „Nichtweißen Bevölkerung“ war ein anderes Anliegen, das er aus eigener Erfahrung kannte.
Bei seinen internationalen Berichten gibt er zu jedem Land einleitend einen Überblick. Hier zeigt sich – trotz der Sympathien dieses Präsidenten – die Überheblichkeit der USA gegenüber dem Rest der Welt. Über europäische Politiker wie Angela Merkel und Sarkozy spricht er etwas abschätzig. Auch stellt er viele Dinge als Erfolg seines Einsatzes dar. So etwa die Bewältigung der europäischen Finanz- und Immobilienkrise mit der Verschuldung Griechenlands. Irgendwie ist es eine „Coca-Cola Politik“, bei der alle Länder so sein müssten, wie es sich Amerika vorstellt.
Vieles hatte er sich als Präsident vorgenommen, aber in der Realität musste er Kompromisse eingehen und Abstriche machen. Obama lernte erst im Amt, dass Fakten weniger erfolgreich in der öffentlichen Meinung sind als Emotionen, was ihm als zielgerichteter Realist schwerfiel. Er, der keine Kriege wollte, war dann mehrfach verwickelt: im Irakkrieg, der zehn Milliarden Dollar pro Monat kostete, in Afghanistan, im Libyen, Jemen. Die USA standen im Konflikt zwischen Israel und Palästina auf der Seite Israels. Viele der Sponsoren für den Wahlkampf Obamas kamen aus diesen Wirtschaftskreisen. Er wusste aber, dass da ein Unrecht gegenüber den Palästinensern passierte. Ein innerer Konflikt, den er, jetzt wo er nicht mehr verantwortlicher Präsident ist, öffentlich definiert.
Trotz der 1000 Seiten hält der Autor den Leser bei der Sache und baute immer wieder Spannung auf, die zum Weiterlesen animiert.
Irgendwie liest sich das Buch wie eine Rechtfertigung des Ex-Präsidenten. Was er weswegen gemacht hat und wie es angenommen wurde. Auch Misslungenes wird angesprochen. Es ging ihm auch um die nachträgliche Auslobung von Erfolgen, die öffentlich nicht gefeiert wurden.
In den ersten Jahren der Präsidentschaft Obamas trat der Bauunternehmer Trump durchaus positiv für ihn auf, wenn er sagte „Alles in allem glaube ich, dass er einen sehr guten Job gemacht hat.“ (Seite 935) Als aber dann klar wurde, dass er selbst Präsident werden will, änderte sich sein Ton und er kam – so wie wir es auch dann später während seiner eigenen Präsidentschaft kennengelernt haben – mit Lügen und unwahren Behauptungen. So sagte er zu den Medien, dass nur ein in Amerika geborener Staatsbürger amerikanischer Präsident werden könne. Obama sei kein amerikanischer Staatsbürger. Auf niedrigem Niveau wurden hier Behauptungen aufgestellt, die die Boulevardmedien aufgriffen. Er berichtete, dass die Geburtsurkunde verschwunden sei. „Unser gegenwärtiger Präsident kam aus dem Nichts … Die Personen, die angeblich mit ihm zur Schule gingen, haben ihn dort nie gesehen, sie wissen nicht, wer er ist.“ (Seite 934) Auch seine Aufnahme in die Universität wurde angezweifelt, weil er nur miese Noten in der Schule gehabt habe. Trotz großer Verantwortung musste sich Präsident Obama gegenüber diesen Lügen rechtfertigen.
Das Buch gliedert sich in 7 Kapitel, die mit dem Wahlkampf als Senator beginnen und mit einem Kapitel über internationale Konflikte endet. Ganz am Schluss kommt es zur militärischen Operation, in der Osama bin Laden ermordet wird.
Viele Menschen sind dem Autor beim Erstellen des Buches beigestanden. In der Danksagung werden über 5 Seiten Namen aufgezählt, die geholfen haben.
Das Buch endet – trotz 1000 Seiten Länge – nach zwei Jahren Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Das zeigt schon, dass weitere dicke Bücher von Barack Obama erscheinen werden.

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    Um es spannend zu machen beginnt der Autor bei dieser, seiner Selbstbiografie, mit ersten Eindrücken aus dem Präsidentenbüro, aus dem White House. Erst langsam nähert er sich seiner eigenen Geschichte und erzählt aus seinem Elternhaus, woher er kommt (Hawaii), dass sein Vater ein Afrikaner war, den er aber nicht kannte, weil er seine Mutter früh verließ und nach Kenia zurückkehrte. Er wurde von seiner berufstätigen Mutter und hauptsächlich von seiner Großmutter aufgezogen. Dazwischen war er – seine Mutter wurde dorthin versetzt – in Indonesien, wo seine Mutter wieder einen Einheimischen heiratete. Auch diese Ehe ging zu Bruche und die Mutter kehrte mit ihm und seiner Halbschwester wieder nach Hause zur Großmutter zurück. 
    Obama erzählt dann von all seinen Jobs und seiner Familie. Wie er seine Frau kennengelernt hat, wie sie eine Familie gründeten und wie er dann zur Politik kam. Beide – Herr und Frau Obama – haben sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet und gute Positionen erreicht. Barack aber wollte mehr. In einer „Zeit, in der der bloße Gedanke an einen Schwarzen US-Präsidenten genauso abwegig erschienen wäre wie die Vorstellung von einem Schwein, das fliegt.“ (Seite 291) Aber sein Ehrgeiz führte ihn über die Position eines Senators letztlich zum Sieger als Präsidentschaftsanwärter der Demokraten und als solcher auch ins Weiße Haus. Er rechtfertigte dieses sein Ziel damit, dass „wir alle tief in unserem Inneren die Ersten sein und für große Leistungen gefeiert werden wollen.“ (Seite 111)
    Die Übersiedlung der Familie mit zwei Mädchen war ein tiefer Einschnitt im Leben. Viele Dinge konnten nicht mehr gemacht werden. Im Weißen Haus stand ihnen zwar eine Infrastruktur zur Verfügung, die an ein Märchenschloss erinnerte: mehrere Tausend Quadratmeter Wohnraum, ein Fitnesscenter, ein Pool, ein Tennisplatz, ein Kino, eine Kegelbahn, eine Arztpraxis … ABER sie konnten sich nicht mehr frei bewegen und waren immer überwacht.
    Ein Lebensabschnitt auf 1000 Seiten geschildert ist schon ein Stück harter Arbeit für den Leser. Viele Details und Namen sind für Europäer nichtssagend und unverständlich. Aber man bekommt ein Gefühl für den Hergang und die Entwicklung des Menschen Barack Obama. Wie es keine leichte Entscheidung für ihn und seine Frau war, dass er in die Politik ging. Zuerst als Senator von Illinois und erst später – als Unbekannter – als Präsidentschaftskandidat. Neu für uns Europäer ist auch der Hergang der Vorwahlen, die innerhalb der eigenen Partei ausgefochten wird. Mit welcher Härte Gleichgesinnte gegeneinander antreten. Wieviel Geld schon für diese interne Auswahl aufgewendet wird. Obama begann mit etwa 200 Mitarbeitern. Am Ende der mehrjährigen Wahlkampagne hatte er mehr als 1000 Mitarbeiter.
    Bei Themen, wie der Gesundheitsreform gibt Obama in diesem Buch auch eine historische Einführung, wie sich dieses Gebiet in Amerika und international entwickelt hat. Gleich nach Antritt seines Amtes muss er landesinterne Probleme, wie eine Wirtschaftskrise lösen. Die amerikanische Autoindustrie braucht riesige Beträge um vor dem Aus gerettet zu werden. Die Banken müssen unterstützt werden. Hilfeleistungen kamen den Reichen zugute. Alles Aktionen, die er als „sozialistischer“ Kandidat nur schwer mit seiner Überzeugung vereinbaren konnte. Ein soziales Gesundheitssystem – „Obamacare“ – war nur schwer und mit vielen Abstrichen durchzusetzen. Die Benachteiligung der „Nichtweißen Bevölkerung“ war ein anderes Anliegen, das er aus eigener Erfahrung kannte.
    Bei seinen internationalen Berichten gibt er zu jedem Land einleitend einen Überblick. Hier zeigt sich – trotz der Sympathien dieses Präsidenten – die Überheblichkeit der USA gegenüber dem Rest der Welt. Über europäische Politiker wie Angela Merkel und Sarkozy spricht er etwas abschätzig. Auch stellt er viele Dinge als Erfolg seines Einsatzes dar. So etwa die Bewältigung der europäischen Finanz- und Immobilienkrise mit der Verschuldung Griechenlands. Irgendwie ist es eine „Coca-Cola Politik“, bei der alle Länder so sein müssten, wie es sich Amerika vorstellt.
    Vieles hatte er sich als Präsident vorgenommen, aber in der Realität musste er Kompromisse eingehen und Abstriche machen. Obama lernte erst im Amt, dass Fakten weniger erfolgreich in der öffentlichen Meinung sind als Emotionen, was ihm als zielgerichteter Realist schwerfiel. Er, der keine Kriege wollte, war dann mehrfach verwickelt: im Irakkrieg, der zehn Milliarden Dollar pro Monat kostete, in Afghanistan, im Libyen, Jemen. Die USA standen im Konflikt zwischen Israel und Palästina auf der Seite Israels. Viele der Sponsoren für den Wahlkampf Obamas kamen aus diesen Wirtschaftskreisen. Er wusste aber, dass da ein Unrecht gegenüber den Palästinensern passierte. Ein innerer Konflikt, den er, jetzt wo er nicht mehr verantwortlicher Präsident ist, öffentlich definiert.
    Trotz der 1000 Seiten hält der Autor den Leser bei der Sache und baute immer wieder Spannung auf, die zum Weiterlesen animiert.
    Irgendwie liest sich das Buch wie eine Rechtfertigung des Ex-Präsidenten. Was er weswegen gemacht hat und wie es angenommen wurde. Auch Misslungenes wird angesprochen. Es ging ihm auch um die nachträgliche Auslobung von Erfolgen, die öffentlich nicht gefeiert wurden.
    In den ersten Jahren der Präsidentschaft Obamas trat der Bauunternehmer Trump durchaus positiv für ihn auf, wenn er sagte „Alles in allem glaube ich, dass er einen sehr guten Job gemacht hat.“ (Seite 935) Als aber dann klar wurde, dass er selbst Präsident werden will, änderte sich sein Ton und er kam – so wie wir es auch dann später während seiner eigenen Präsidentschaft kennengelernt haben – mit Lügen und unwahren Behauptungen. So sagte er zu den Medien, dass nur ein in Amerika geborener Staatsbürger amerikanischer Präsident werden könne. Obama sei kein amerikanischer Staatsbürger. Auf niedrigem Niveau wurden hier Behauptungen aufgestellt, die die Boulevardmedien aufgriffen. Er berichtete, dass die Geburtsurkunde verschwunden sei. „Unser gegenwärtiger Präsident kam aus dem Nichts … Die Personen, die angeblich mit ihm zur Schule gingen, haben ihn dort nie gesehen, sie wissen nicht, wer er ist.“ (Seite 934) Auch seine Aufnahme in die Universität wurde angezweifelt, weil er nur miese Noten in der Schule gehabt habe. Trotz großer Verantwortung musste sich Präsident Obama gegenüber diesen Lügen rechtfertigen.
    Das Buch gliedert sich in 7 Kapitel, die mit dem Wahlkampf als Senator beginnen und mit einem Kapitel über internationale Konflikte endet. Ganz am Schluss kommt es zur militärischen Operation, in der Osama bin Laden ermordet wird. 
    Viele Menschen sind dem Autor beim Erstellen des Buches beigestanden. In der Danksagung werden über 5 Seiten Namen aufgezählt, die geholfen haben.
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