„ENTENGANG, Die vergessenen Kinder des 20. Juli 1944 in Habkern

RUGE, Peter RUGE, Elisabeth (2018): „ENTENGANG, Die vergessenen Kinder des 20. Juli 1944 in Habkern. 2018.

Abstract

RUGE, Elisabeth und Peter: „ENTENGANG, Die vergessenen Kinder des 20. Juli 1944 in Habkern“, Bad Schussenried 2017
Skeptisch habe ich mit dem Buch zu lesen begonnen, habe ich doch das letzte Buch der Ruges als sehr rechtslastig gesehen. Ähnliches habe ich wieder erwartet und bin nicht sehr optimistisch ans Lesen gegangen. Umso überraschter war ich über die so präzise Aufarbeitung eines Zeitfensters aus dem Dritten Reich. Eine Gruppe, die einen Anschlag auf Hitler verübte, der fehlschlug wurde nicht nur ermordet, sondern auch deren Familien in Sittenhaft genommen. Die beiden Autoren berichten, was mit den Kindern passiert, denen man sogar die Namen veränderte und sie teilweise austauschte und andere Identitäten gab. Hier zeigt sich die journalistische Erfahrung, die hinter der Recherchearbeit für so ein Buch steckt.
Heikle Fragen lassen die Autoren einem elfjährigen Buben stellen. Das ist von der Konstruktion des Romans sehr geschickt gemacht, weil Kinder heikle Dinge naiv hinterfragen, andererseits sind die Fragen für ein Kind zu hoch. Wie auch immer: wichtige und gesellschaftspolitisch heikle Fragen kommen so auf den Tisch. Etwa warum die im Dritten Reich enteigneten Widerstandskämpfer nach dem Krieg und in der DDR nach der Wiedervereinigung ihre Besitztümer nicht zurückbekamen. Warum die Sowjets nicht zwischen Nazis und Nazigegner unterschieden. Heikle Probleme, die Elisabeth und Peter Ruge mit diesem Buch wieder in Erinnerung riefen.
Die Geschichte des Widerstands gegen das Hitlerregime wird in Romanform aufgearbeitet und zeigt auch die Nachwirkungen in der heutigen Zeit. Letztlich kommen aber doch auch rechtslastige Argumente auf den Tisch. Etwa in der Predigt einer Pfarrerin, die auf das Verbot von Minaretten in der Schweiz eingeht oder in einer Diskussion von Schweizern, die Asylwerber aus dem Mittleren Osten aufnehmen wollen, denen Deutschland als Negativbeispiel vorgeführt wird. Welche Nachteile diese Menschen aus Syrien und Afghanistan den Deutschen brächten.
Der Roman zeigt, was aus zwei Kindern eines erhängten Widerstandskämpfers geworden ist und wie sie in der Schweiz wieder zusammenkommen. Wie sie aber auch in der Schweiz unerwünschte Ausländer geblieben sind und einer sich nach Polen, wo seine Frau herkommt zurückziehen will. Die Schweiz als ausländerfeindliches Land? Das passte ins Schema der Autoren.
In Summe aber ein interessantes Thema, das dem Leser viele neue Informationen bietet. Eine Aufarbeitung der europäischen Vergangenheit mit hoher Präzision gemacht.

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    Heikle Fragen lassen die Autoren einem elfjährigen Buben stellen. Das ist von der Konstruktion des Romans sehr geschickt gemacht, weil Kinder heikle Dinge naiv hinterfragen, andererseits sind die Fragen für ein Kind zu hoch. Wie auch immer: wichtige und gesellschaftspolitisch heikle Fragen kommen so auf den Tisch. Etwa warum die im Dritten Reich enteigneten Widerstandskämpfer nach dem Krieg und in der DDR nach der Wiedervereinigung ihre Besitztümer nicht zurückbekamen. Warum die Sowjets nicht zwischen Nazis und Nazigegner unterschieden. Heikle Probleme, die Elisabeth und Peter Ruge mit diesem Buch wieder in Erinnerung riefen.
    Die Geschichte des Widerstands gegen das Hitlerregime wird in Romanform aufgearbeitet und zeigt auch die Nachwirkungen in der heutigen Zeit. Letztlich kommen aber doch auch rechtslastige Argumente auf den Tisch. Etwa in der Predigt einer Pfarrerin, die auf das Verbot von Minaretten in der Schweiz eingeht oder in einer Diskussion von Schweizern, die Asylwerber aus dem Mittleren Osten aufnehmen wollen, denen Deutschland als Negativbeispiel vorgeführt wird. Welche Nachteile diese Menschen aus Syrien und Afghanistan den Deutschen brächten.
    Der Roman zeigt, was aus zwei Kindern eines erhängten Widerstandskämpfers geworden ist und wie sie in der Schweiz wieder zusammenkommen. Wie sie aber auch in der Schweiz unerwünschte Ausländer geblieben sind und einer sich nach Polen, wo seine Frau herkommt zurückziehen will. Die Schweiz als ausländerfeindliches Land? Das passte ins Schema der Autoren.
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