HOLL, Bilanz eines rebellischen Lebens

KLAUHS, Harald (2018): HOLL, Bilanz eines rebellischen Lebens. 2018.

Abstract

KLAUHS, Harald: „HOLL - Bilanz eines rebellischen Lebens“, Salzburg Wien 2018
Eine Biografie für Insider. Vieles muss man sich ergoogeln um zu erfahren was dahintersteckt. Das beginnt bereits beim Vorwort dessen Autor nicht der Verfasser des vorliegenden Buches ist, sondern Walter Famler . Die Lebensgeschichte von Adolf Holl ist umgeben von den historischen Ereignissen der jeweiligen Zeit. Inwieweit dies vor allem in der Kindheit und Jugend einen Einfluss auf ihn hatte ist zu hinterfragen. Aber der Verfasser der Biografie zeigt damit auf in welchem Umfeld Holl aufgewachsen ist. Nur eingestreut das persönliche Leben. Etwa, dass er ein uneheliches Kind ist. Der Chef seiner Mutter hatte ihn gezeugt und stand aber nicht zur Vaterschaft. Der damaligen Gesellschaft entsprechend inserierte sie „Namensehe gesucht“. Es meldete sich ein Arbeitsloser, der nach der standesamtlichen Hochzeit gleich wieder verschwand und einige Jahre später verstarb. Da die Hochzeit nur standesamtlich und nicht kirchlich war hätte der Sohn als uneheliches Kind gegolten. Um ihm das zu ersparen trat sie vor der Geburt aus der Kirche aus und nachher wieder ein. Der Status von Adolf war gerettet. Als Jugendlicher während des Krieges fand er seinen Zugang zur Kirche. Er ging regelmäßig in die Messe und wurde zum Ministranten. Der jeweilige Pfarrer wurde sein Vaterersatz. Zu Hause wurde er ja von zwei Frauen – seiner Mutter und der Wahltante – aufgezogen. Durch letztere kam er auch regelmäßig zu deren Verwandte aufs Land, was in den Kriegsjahren, als Wien dann bombardiert wurde, ein sicherer Zufluchtsort war. Auch dort knüpfte er den Kontakt zur Kirche und die Entscheidung Pfarrer zu werden reifte.
Der Autor der Biografie steigert in gewisser Dramaturgie das Leben des zu Beschreibenden und warum es zum Bruch mit der Amtskirche kam. Immer unterlegt mit den gesellschaftspolitischen Geschehnissen werden die Liebesverhältnisse Holls genauso aufgezeigt wie seine Interpretationen der Heiligen Schrift. Öffentlich und auch im Fernsehen zeigte Holl auf, dass das Zölibat nicht im Interesse des Religionsgründers Jesus war, sondern von der Amtskirche zur Absicherung der Macht und nicht möglichen Vererbung stand. Holl selbst haderte viele Jahre mit seiner eigenen Position zwischen „weltlicher“ und „kirchlicher“ Einstellung. Auch als er schon des Priesteramts enthoben ist bleibt er katholisch und kann sich „wieder ein Hobby namens Beten vorstellen“ (Seite 314)
Alle drei Berufe Holls werden in diesem Buch abgehandelt: Priester, Soziologe und Schriftsteller. Kritisch sagt der Autor „Aber wird man, so die bange Frage, seine Bücher in zwanzig, dreißig Jahren und darüber hinaus noch lesen?“ (Seite 321) Die vorliegende Biografie wird sicher so manchen Leser zum einen oder anderen Buch Holls greifen lassen und so eine Multiplikator Funktion übernehmen.
Das Leben nach dem Tod erklärt Holl mit einer Analogie zum Computer: „Existiert ein Computerprogramm noch, wenn es keinen Computer mehr gibt, auf dem es läuft? Es gibt etwas, was wir Information nennen und wir so behandeln, als würde es außerhalb eines physischen Körpers existieren. Was heißt Information? Himmel und Erde werden vergehen, aber mein Wort wird nie vergehen, heißt es. Vielleicht ein Hinweis auf das, was Ewigkeit bedeutet.“ (Seite 342)

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    Eine Biografie für Insider. Vieles muss man sich ergoogeln um zu erfahren was dahintersteckt. Das beginnt bereits beim Vorwort dessen Autor nicht der Verfasser des vorliegenden Buches ist, sondern Walter Famler . Die Lebensgeschichte von Adolf Holl ist umgeben von den historischen Ereignissen der jeweiligen Zeit. Inwieweit dies vor allem in der Kindheit und Jugend einen Einfluss auf ihn hatte ist zu hinterfragen. Aber der Verfasser der Biografie zeigt damit auf in welchem Umfeld Holl aufgewachsen ist. Nur eingestreut das persönliche Leben. Etwa, dass er ein uneheliches Kind ist. Der Chef seiner Mutter hatte ihn gezeugt und stand aber nicht zur Vaterschaft. Der damaligen Gesellschaft entsprechend inserierte sie „Namensehe gesucht“. Es meldete sich ein Arbeitsloser, der nach der standesamtlichen Hochzeit gleich wieder verschwand und einige Jahre später verstarb. Da die Hochzeit nur standesamtlich und nicht kirchlich war hätte der Sohn als uneheliches Kind gegolten. Um ihm das zu ersparen trat sie vor der Geburt aus der Kirche aus und nachher wieder ein. Der Status von Adolf war gerettet. Als Jugendlicher während des Krieges fand er seinen Zugang zur Kirche. Er ging regelmäßig in die Messe und wurde zum Ministranten. Der jeweilige Pfarrer wurde sein Vaterersatz. Zu Hause wurde er ja von zwei Frauen – seiner Mutter und der Wahltante – aufgezogen. Durch letztere kam er auch regelmäßig zu deren Verwandte aufs Land, was in den Kriegsjahren, als Wien dann bombardiert wurde, ein sicherer Zufluchtsort war. Auch dort knüpfte er den Kontakt zur Kirche und die Entscheidung Pfarrer zu werden reifte.
    Der Autor der Biografie steigert in gewisser Dramaturgie das Leben des zu Beschreibenden und warum es zum Bruch mit der Amtskirche kam. Immer unterlegt mit den gesellschaftspolitischen Geschehnissen werden die Liebesverhältnisse Holls genauso aufgezeigt wie seine Interpretationen der Heiligen Schrift. Öffentlich und auch im Fernsehen zeigte Holl auf, dass das Zölibat nicht im Interesse des Religionsgründers Jesus war, sondern von der Amtskirche zur Absicherung der Macht und nicht möglichen Vererbung stand. Holl selbst haderte viele Jahre mit seiner eigenen Position zwischen „weltlicher“ und „kirchlicher“ Einstellung. Auch als er schon des Priesteramts enthoben ist bleibt er katholisch und kann sich „wieder ein Hobby namens Beten vorstellen“ (Seite 314)
    Alle drei Berufe Holls werden in diesem Buch abgehandelt: Priester, Soziologe und Schriftsteller. Kritisch sagt der Autor „Aber wird man, so die bange Frage, seine Bücher in zwanzig, dreißig Jahren und darüber hinaus noch lesen?“ (Seite 321) Die vorliegende Biografie wird sicher so manchen Leser zum einen oder anderen Buch Holls greifen lassen und so eine Multiplikator Funktion übernehmen.
    Das Leben nach dem Tod erklärt Holl mit einer Analogie zum Computer: „Existiert ein Computerprogramm noch, wenn es keinen Computer mehr gibt, auf dem es läuft? Es gibt etwas, was wir Information nennen und wir so behandeln, als würde es außerhalb eines physischen Körpers existieren. Was heißt Information? Himmel und Erde werden vergehen, aber mein Wort wird nie vergehen, heißt es. Vielleicht ein Hinweis auf das, was Ewigkeit bedeutet.“ (Seite 342)
    
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