Ohne Bekenntnis. Wie mit Religion Politik gemacht wird

ALM, Niko (2019): Ohne Bekenntnis. Wie mit Religion Politik gemacht wird. 2019.

Abstract

ALM, Niko: „Ohne Bekenntnis. Wie mit Religion Politik gemacht wird“, Salzburg-Wien 2019
Der Autor outet sich gleich zu Beginn des Buches, dass er ein Atheist ist. Ja in der Einleitung meint er, dass jeder Mensch als Atheist geboren wird und ihm von anderen – wie den Eltern - eine Religion auferlegt wird. Als Achtjähriger habe er am Beispiel Abrahams, der seinen Sohn opfern wollte, erkannt, dass das kein gütiger Gott sein kann und keiner, den er braucht. Warum es Religionen gibt begründet der Autor damit, dass „die Götter alles regeln. Es regnet? Gott weint. Eine Krankheit? Gott straft.“ (Seite 25) Die Menschen halten an Religionen fest, weil sie Trost, Erklärung und Kooperation geben. Trost für Leiden aller Art und auch einer Reduzierung der Angst vor dem Tod. Erklärung all jener Dinge, die nicht erklärbar sind.
Sehr nüchtern wird die Situation der Kirchen aufgezeigt: all ihre negativen Aktionen von den Kreuzzügen bis zur Kindermisshandlung und dass die Kirche längst verweltlicht sei. Auch sei es „keine Voraussetzung, an Gott zu glauben, um Mitglied der Kirche zu sein.“ (Seite 37)
Natürlich darf in so einem Buch auch nicht das aktuelle Kopftuchverbot der Regierung fehlen, dass er als Einschränkung der menschlichen Freiheit sieht. Auch sei es nur eine Stellvertreterdebatte. Den Religionsunterricht will er ebenfalls abgeschafft wissen, so wie auch in den öffentlichen Gebäuden und Schulen keine Kreuze hängen dürften. Ja selbst auf den Berggipfeln sollten die meisten weg, weil die meisten Berge der Österreichischen Bundesforste gehören und somit dem Staat, der aber neutral agieren solle. Bei der Verquickung von Staat und Religion rechnet er sogar vor, dass der Staat die kirchlichen Organisationen mit Steuergeldern unterstützt. Eine Rechnung die stimmt? Umwegrentabilitäten unberücksichtigt lassend. Auch die Unterstützung von Klosterschulen wird hier mitgerechnet. Und so kommt er auf 4 Milliarden Euro, die der Staat der katholischen Kirche zuschisst. Der Staat dürfe generell keine Religionen ablehnen, das stehe ihm nicht zu. Er müsse neutral sein.
Er, der Nicht-Theologe – scheucht auch nicht davor zurück Jesus „potemkinsche“ zu nennen, weil alles an ihm nicht stimme: das Geburtsdatum, viele der in der Bibel aufgezeichneten Punkte, Kreuzigung, Auferstehung und vieles andere in der Biografie von Jesus.
Die Aufklärung sei noch nicht zu Ende geführt, solange Religionen im Staat eine Rolle spielen. Es müsse Laizität Einzug halten. Der Staat „verpflichtet sich keinen Religionsgesetzen und Konkordaten, sondern kündigt diese auf. … Nur so kann er Gewissensfreiheit und Weltanschauungsfreiheit garantieren. … Die Menschen haben die Freiheit und das Recht, zu glauben, was sie wollen und das auch frei zu äußern.“ (Seite 242)
Bei der Beurteilung dieses Buches versuchte ich so vorzugehen, wie ich eine Diplomarbeit oder Masterthese bewerte: Es ist nicht wichtig, ob man an die aufgestellte These, Behauptung glaubt; sie gut oder schlecht empfindet. Es ist wichtig zu bewerten, ob der Autor das Thema und seine These richtig und gut argumentiert hat. Und so ist es hier. Ich bin kein bekennender Atheist, aber Niko Alm hat zum Nachdenken angeregt, indem er Schwachstellen der religiösen Systeme aufgezeigt hat.

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    Der Autor outet sich gleich zu Beginn des Buches, dass er ein Atheist ist. Ja in der Einleitung meint er, dass jeder Mensch als Atheist geboren wird und ihm von anderen – wie den Eltern - eine Religion auferlegt wird. Als Achtjähriger habe er am Beispiel Abrahams, der seinen Sohn opfern wollte, erkannt, dass das kein gütiger Gott sein kann und keiner, den er braucht. Warum es Religionen gibt begründet der Autor damit, dass „die Götter alles regeln. Es regnet? Gott weint. Eine Krankheit? Gott straft.“ (Seite 25) Die Menschen halten an Religionen fest, weil sie Trost, Erklärung und Kooperation geben. Trost für Leiden aller Art und auch einer Reduzierung der Angst vor dem Tod. Erklärung all jener Dinge, die nicht erklärbar sind.
    Sehr nüchtern wird die Situation der Kirchen aufgezeigt: all ihre negativen Aktionen von den Kreuzzügen bis zur Kindermisshandlung und dass die Kirche längst verweltlicht sei. Auch sei es „keine Voraussetzung, an Gott zu glauben, um Mitglied der Kirche zu sein.“ (Seite 37)
    Natürlich darf in so einem Buch auch nicht das aktuelle Kopftuchverbot der Regierung fehlen, dass er als Einschränkung der menschlichen Freiheit sieht. Auch sei es nur eine Stellvertreterdebatte. Den Religionsunterricht will er ebenfalls abgeschafft wissen, so wie auch in den öffentlichen Gebäuden und Schulen keine Kreuze hängen dürften. Ja selbst auf den Berggipfeln sollten die meisten weg, weil die meisten Berge der Österreichischen Bundesforste gehören und somit dem Staat, der aber neutral agieren solle. Bei der Verquickung von Staat und Religion rechnet er sogar vor, dass der Staat die kirchlichen Organisationen mit Steuergeldern unterstützt. Eine Rechnung die stimmt? Umwegrentabilitäten unberücksichtigt lassend. Auch die Unterstützung von Klosterschulen wird hier mitgerechnet.  Und so kommt er auf 4 Milliarden Euro, die der Staat der katholischen Kirche zuschisst. Der Staat dürfe generell keine Religionen ablehnen, das stehe ihm nicht zu. Er müsse neutral sein. 
    Er, der Nicht-Theologe – scheucht auch nicht davor zurück Jesus „potemkinsche“ zu nennen, weil alles an ihm nicht stimme: das Geburtsdatum, viele der in der Bibel aufgezeichneten Punkte, Kreuzigung, Auferstehung und vieles andere in der Biografie von Jesus.
    Die Aufklärung sei noch nicht zu Ende geführt, solange Religionen im Staat eine Rolle spielen. Es müsse Laizität Einzug halten. Der Staat „verpflichtet sich keinen Religionsgesetzen und Konkordaten, sondern kündigt diese auf. … Nur so kann er Gewissensfreiheit und Weltanschauungsfreiheit garantieren. … Die Menschen haben die Freiheit und das Recht, zu glauben, was sie wollen und das auch frei zu äußern.“ (Seite 242) 
    Bei der Beurteilung dieses Buches versuchte ich so vorzugehen, wie ich eine Diplomarbeit oder Masterthese bewerte: Es ist nicht wichtig, ob man an die aufgestellte These, Behauptung glaubt; sie gut oder schlecht empfindet. Es ist wichtig zu bewerten, ob der Autor das Thema und seine These richtig und gut argumentiert hat. Und so ist es hier. Ich bin kein bekennender Atheist, aber Niko Alm hat zum Nachdenken angeregt, indem er Schwachstellen der religiösen Systeme aufgezeigt hat.
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