Okaasan. Meine unbekannte Mutter

FLASAR, Milena Michiko (2018): Okaasan. Meine unbekannte Mutter. 2018.

Abstract

FLASAR, Milena Michiko: „Okaasan. Meine unbekannte Mutter“, Sankt Pölten Salzburg 2010
Okaasan ist der japanische Name für Mutter. Flasar mit ihrem familiären japanischen Hintergrund beschreibt das Sterben einer Mutter, die aus ihrem Heimatland in eine fremde Stadt geholt wird und bei der Tochter wohnt, die sie pflegt bis es der zu viel wird und sie in einem Altersheim unterbringt.
Das Thema „Mutter zieht sich kontinuierlich durch das Buch. In wunderbaren Formulierungen nähert sich die Autorin dem Wort. Schon die Überlegungen zur Geburt: „lch versuche mir vorzustellen, wie brüchig diese Welt einem neugeborenen Kind erscheinen muss. Ich bekomme ein Gefühl für die heimliche Finsternis des Mutterleibes, aus dem herauszukommen eine solche Beschwerlichkeit bedeutet. Ein fertiger Körper wächst aus einem anderen. Es ist ein widerständiger Kampf, an dessen Ende eine maßlose Erschöpfung liegt.“ (Seite 15)
Auch mit dem ICH setzt sie sich auseinander: „Wohin geht man, wenn es keinen Ort gibt, an dem es sich heimisch werden lässt? … Man dreht den Spiegel um und geht nach innen.“ (Seite 35)
Das Buch teilt sich in zwei Teile. Im ersten setzt sie sich mit dem Ableben der Mutter auseinander. Eine schwierige Aufgabe, wie sie auch selbst sagt: “Wenn man einmal wahrhaftig und ohne die typischen Vorbehalte über den Tod zu sprechen begonnen hat, gehen einem – wie die Kieselsteine – die Wörter aus.“ (Seite 49) Einzelne Abschnitte des aus dem Leben Gehens werden gezeigt. Beginnend mit einem „gewissen Punkt“, den sie „überschritten hatte.“ (Seite 45) Als sie die Mutter in ein Altersheim geben muss, weil sie es zu Hause alleine nicht mehr schaffte sie zu pflegen, vergleicht sie diesen Vorgang sehr schön mit dem Aussetzen einer kleinen Katze. Menschen sterben meist über eine Krankheit. Ein Zustand, den Flasar unverständlich findet: „Ich frage mich, warum ein Großteil der Menschen auf so entsetzliche Art und Weise krank werden muss, bevor er stirbt.“ (Seite 63)
Nach dem Tod der Mutter bricht die Tochter im zweiten Abschnitt des Romans zu einer heiligen Stätte in Indien auf um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Auch her spielt das Wort Mutter mit der Göttin Amma eine zentrale Rolle. Hier helfen ihr Menschen zu sich selbst zu finden „Es gibt keine Heilung ohne Erinnerung. Niemand wird sich an ihrer Stelle für sie erinnern können, wenn sie es nicht selber tun.“ (Seite 134) Und hier kommt dann die Erlösung. Als junge Frau wurde sie schwanger. Ihr damaliger Freund wollte das Kind nicht. Sie hatte abgetrieben und ist nie Mutter geworden. Ein Weiser hilft ihr diese innere Schuld zu überwinden: „… das Kind sind sie selbst oder jenes zwanzigjährige Mädchen. Zu ihm zurückzugehen, es in Erinnerung zu behalten, macht sie zu der Mutter, die sie gerne geworden wären.“ (Seite 137) So hat sie ihr „namenloses Kind“ auf die Welt gebracht und ist Mutter geworden.

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    Das Thema „Mutter zieht sich kontinuierlich durch das Buch. In wunderbaren Formulierungen nähert sich die Autorin dem Wort. Schon die Überlegungen zur Geburt: „lch versuche mir vorzustellen, wie brüchig diese Welt einem neugeborenen Kind erscheinen muss. Ich bekomme ein Gefühl für die heimliche Finsternis des Mutterleibes, aus dem herauszukommen eine solche Beschwerlichkeit bedeutet. Ein fertiger Körper wächst aus einem anderen. Es ist ein widerständiger Kampf, an dessen Ende eine maßlose Erschöpfung liegt.“ (Seite 15)
    Auch mit dem ICH setzt sie sich auseinander: „Wohin geht man, wenn es keinen Ort gibt, an dem es sich heimisch werden lässt? … Man dreht den Spiegel um und geht nach innen.“ (Seite 35)
    Das Buch teilt sich in zwei Teile. Im ersten setzt sie sich mit dem Ableben der Mutter auseinander. Eine schwierige Aufgabe, wie sie auch selbst sagt: “Wenn man einmal wahrhaftig und ohne die typischen Vorbehalte über den Tod zu sprechen begonnen hat, gehen einem – wie die Kieselsteine – die Wörter aus.“ (Seite 49) Einzelne Abschnitte des aus dem Leben Gehens werden gezeigt. Beginnend mit einem „gewissen Punkt“, den sie „überschritten hatte.“ (Seite 45) Als sie die Mutter in ein Altersheim geben muss, weil sie es zu Hause alleine nicht mehr schaffte sie zu pflegen, vergleicht sie diesen Vorgang sehr schön mit dem Aussetzen einer kleinen Katze. Menschen sterben meist über eine Krankheit. Ein Zustand, den Flasar unverständlich findet: „Ich frage mich, warum ein Großteil der Menschen auf so entsetzliche Art und Weise krank werden muss, bevor er stirbt.“ (Seite 63) 
    Nach dem Tod der Mutter bricht die Tochter im zweiten Abschnitt des Romans zu einer heiligen Stätte in Indien auf um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Auch her spielt das Wort Mutter mit der Göttin Amma eine zentrale Rolle. Hier helfen ihr Menschen zu sich selbst zu finden „Es gibt keine Heilung ohne Erinnerung. Niemand wird sich an ihrer Stelle für sie erinnern können, wenn sie es nicht selber tun.“ (Seite 134) Und hier kommt dann die Erlösung. Als junge Frau wurde sie schwanger. Ihr damaliger Freund wollte das Kind nicht. Sie hatte abgetrieben und ist nie Mutter geworden. Ein Weiser hilft ihr diese innere Schuld zu überwinden: „… das Kind sind sie selbst oder jenes zwanzigjährige Mädchen. Zu ihm zurückzugehen, es in Erinnerung zu behalten, macht sie zu der Mutter, die sie gerne geworden wären.“ (Seite 137) So hat sie ihr „namenloses Kind“ auf die Welt gebracht und ist Mutter geworden.
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