Qualityland

KLING, Marc-Uwe (2019): Qualityland. 2019.

Abstract

KLING, Marc-Uwe: „Qualityland“, Berlin 2018
Es ist in neuem Stil eine erneuerte und angepasste Fassung von Georg Orwells 1984. Ich würde den Roman „“2084“ nennen. Oder sind wir schon näher dran. Es ist eine interessante Aufmachung, wie unsere Welt volldigitalisiert aussehen könnte. Einige Szenen:
• Ein Mann sitzt mit seiner schwangeren Frau beim Gynäkologen und der fragt, ob sie die Zukunft des Kindes wissen wollen. Nach unserer heutigen Termi9nologie meint das „Welches Geschlecht wird das Baby haben?“ Die Antwort des Arztes im Qualityland: „Es wird wahrscheinlich eine drogensüchtige Sexarbeiterin ohne Kontakt zu ihrer Familie, mit gelegentlich wiederkehrenden Depressionen und einer besonders ausgeprägten Freude an alten romantischen Komödien mit Jennifer Aniston.“ (Seite 195) Der Arzt bot aber gleichzeitig an, viele dieser Fehler gentechnisch reparieren zu können.
• Es wird auch zwischen einer schwachen und einer Starken K.I. (Künstlichen Intelligenz) unterschieden. Die starke würde sich selbst immer weiter entwickeln und so allgegenwärtig, allwissend und allmächtig werden. Also gottähnlich. Der kann dann bös- oder gutartig sein. Der Autor zeigt auf, welche Auswirkungen ein gütiger „Gott“ haben könnte: „Stell dir vor, du wärst Architekt, aber jedes Gebäude, das du bauen möchtest, könnte Gott viel schneller, viel billiger und viel besser bauen. Stell dir vor, du bist Dichter, aber jedes Gedicht, das du schreiben möchtest, könnte Gott viel schneller, viel schöner und viel kunstfertiger schreiben. Stell dir vor, du bist Arzt, aber jeden Menschen, den du heilen möchtest, könnte Gott viel schneller, viel schmerzfreier und viel nachhaltiger heilen. …“ (Seite 188)
Die Geschichte wird aus zwei Sichtwinkeln beschrieben: Einerseits ein nicht sehr befähigter Sohn eines reichen und erfolgreichen Vaters, der Parlamentarier wurde und der mit einer ebenso wenig intellektuellen Frau verheiratet ist. Andererseits von einem kritischen „Aussteiger“, einem Maschinenvernichter, der gegen die Auswirkungen des vernetzten Systems ankämpft. So werden zwei Sichtweisen auf das verrückte Zukunft Szenario gebracht. Vieles davon kann man sich heute schon vorstellen oder in Ansätzen registrieren.
Da der Tod jedes Menschen vorausberechnet werden kann, wusste man, wann die Präsidenten von Qualityland sterben wird und hat für diesen Tag Neuwahlen angesetzt. Die Wahl gewann ein Android, ein Roboter, der aber unmittelbar nachdem er das Amt angetreten hatte von einem Maschinenstürmer zerstört.
Nicht nur die grafische Aufmachung des Buches ist alternativ, auch der Schreibstil des Autors ist etwas Neues und Interessantes. Sehr gut zu lesen.

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    Es ist in neuem Stil eine erneuerte und angepasste Fassung von Georg Orwells 1984. Ich würde den Roman „“2084“ nennen. Oder sind wir schon näher dran. Es ist eine interessante Aufmachung, wie unsere Welt volldigitalisiert aussehen könnte. Einige Szenen:
    •	Ein Mann sitzt mit seiner schwangeren Frau beim Gynäkologen und der fragt, ob sie die Zukunft des Kindes wissen wollen. Nach unserer heutigen Termi9nologie meint das „Welches Geschlecht wird das Baby haben?“ Die Antwort des Arztes im Qualityland: „Es wird wahrscheinlich eine drogensüchtige Sexarbeiterin ohne Kontakt zu ihrer Familie, mit gelegentlich wiederkehrenden Depressionen und einer besonders ausgeprägten Freude an alten romantischen Komödien mit Jennifer Aniston.“ (Seite 195) Der Arzt bot aber gleichzeitig an, viele dieser Fehler gentechnisch reparieren zu können.
    •	Es wird auch zwischen einer schwachen und einer Starken K.I. (Künstlichen Intelligenz) unterschieden. Die starke würde sich selbst immer weiter entwickeln und so allgegenwärtig, allwissend und allmächtig werden. Also gottähnlich. Der kann dann bös- oder gutartig sein. Der Autor zeigt auf, welche Auswirkungen ein gütiger „Gott“ haben könnte: „Stell dir vor, du wärst Architekt, aber jedes Gebäude, das du bauen möchtest, könnte Gott viel schneller, viel billiger und viel besser bauen. Stell dir vor, du bist Dichter, aber jedes Gedicht, das du schreiben möchtest, könnte Gott viel schneller, viel schöner und viel kunstfertiger schreiben. Stell dir vor, du bist Arzt, aber jeden Menschen, den du heilen möchtest, könnte Gott viel schneller, viel schmerzfreier und viel nachhaltiger heilen. …“ (Seite 188)
    Die Geschichte wird aus zwei Sichtwinkeln beschrieben: Einerseits ein nicht sehr befähigter Sohn eines reichen und erfolgreichen Vaters, der Parlamentarier wurde und der mit einer ebenso wenig intellektuellen Frau verheiratet ist. Andererseits von einem kritischen „Aussteiger“, einem Maschinenvernichter, der gegen die Auswirkungen des vernetzten Systems ankämpft. So werden zwei Sichtweisen auf das verrückte Zukunft Szenario gebracht. Vieles davon kann man sich heute schon vorstellen oder in Ansätzen registrieren.
    Da der Tod jedes Menschen vorausberechnet werden kann, wusste man, wann die Präsidenten von Qualityland sterben wird und hat für diesen Tag Neuwahlen angesetzt. Die Wahl gewann ein Android, ein Roboter, der aber unmittelbar nachdem er das Amt angetreten hatte von einem Maschinenstürmer zerstört.
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