Red Notice. Wie ich Putins Staatsfeind Nr.1 wurde

Bill BROWDER (2019): Red Notice. Wie ich Putins Staatsfeind Nr.1 wurde. 2019.

Abstract

BROWDER, Bill: „Red Notice. Wie ich Putins Staatsfeind Nr.1 wurde“, München 2016
Was ist dieses Buch? Ein Roman? Eine Lebensgeschichte? Ein Wirtschaftsbuch? Was auch immer: es ist spannend wie ein Kriminalroman zu lesen.
Ein Amerikaner, der mit jungen Jahren große Geschäfte in Russland macht und in Bedrängnis kommt. Sein Großvater war ein führender amerikanischer kommunistischer Politiker. Bill hatte die Eliteuniversität Stanford im Bereich Business abgeschlossen. Einiges probierte er nach seinem Studium. Letztlich entsann er sich seines Großvaters und wollte nach der politischen Wende im kommunistischen Osten dort aktiv werden. Seine ersten Sporen verdiente er sich in Polen und sah, dass die kommunistischen Betriebe zu günstigen Konditionen privatisiert wurden. Oligarchen bereicherten sich. Er machte sich selbstständig und wurde zum führenden Investor in Russland. Er machte den eingesessenen Oligarchen Konkurrenz. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Er wurde behindert und letztlich verfolgt. Hausdurchsuchungen und Verhaftungen folgten. Er musste das Land verlassen und brachte auch die wichtigsten und gefährdetsten Mitarbeiter nach England in Sicherheit. Einer blieb aus Überzeugung in Russland zurück: sein Anwalt Sergej Magnitski. Er wurde verhaftet und kam in verschiedene Gefängnisse. Man wollte ihm eine Aussage gegen seinen Klienten Browder abpressen. Er fühlte sich als unbescholtener Anwalt sicher und blieb standhaft bei der Wahrheit. Er bezahlte seine Ehrlichkeit mit dem Leben. Grauenvoll kam er in russischen Gefängnissen um. Alles wurde verschwiegen und beschönigt. Letztlich wurden der tote Anwalt und Browder selbst von einem russischen Gericht in Abwesenheit (der eine war ja schon tot) zu langen Kerkerstrafen verurteilt. Da wurde der Millionär Browder zum Menschenrechtsaktivisten. Er kämpfte um die Gerechtigkeit und den Imagegewinn seines ermordeten Anwalts. Er rechtfertig das im Buch so: „Wenn man mich damals an der Stanford Business School gefragt hätte, ob ich mir vorstellen könnte, ein Leben als Hedgefonds-Manager aufzugeben und Menschenrechtsaktivist zu werden, hätte ich den Fragesteller für verrückt erklärt.“ (Seite 399)
Browder ließ keine Gelegenheit ungenützt. Beschäftigte die amerikanische und britische Regierung; machte die Öffentlichkeit mit YouTube Videos auf die Sache aufmerksam. Er riskierte dabei sein Leben, aber er gab nicht auf, bis es zu einer Unterstützung kam.
Oft hatte man ihm abgeraten sein Leben zu riskieren. Er aber kämpfte weiter um Gerechtigkeit: „Ich tue das alles zweifellos nicht aus Tapferkeit; ich bin nicht tapferer als andere. Ich empfinde die Angst ebenso quälend, wie es jeder andere Mensch unter diesen Umständen tun würde, aber ich habe festgestellt, dass dieses Gefühl, wie sehr ich mich in bestimmten Situationen auch ängstigen mag, nicht von Dauer ist. Nach einer gewissen Zeit schwächt es sich ab. Wie jeder bestätigen wird, der eine Weile in einem Kriegsgebiet gelebt hat oder einen gefährlichen Job verrichten musste, ist der menschliche Körper nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum Angst zu empfinden. Je mehr Ereignisse dieser Art man erlebt, umso besser kommt man damit zurecht.“ (Seite 397)
Seinen Wechsel vom Wirtschaftsbereich zum Menschenrechtsaktivisten verglich er mit einem Schwarzweiß-Fernsehapparat (=Business) und einem Breitband-Farbfernseher (=kämpfen um Menschenrechte).
Er sieht als Hauptdrahtzieher Präsident Putin. Wie es auch immer gewesen sein mag: mit der Publizierung dieses Falls haben sich sicher viele in Russland und auch anderen Ländern in ihrer Vorgehensweise geändert.
Wie schon gesagt: das Buch liest sich wie ein spannender Kriminalroman, obwohl es um Realitäten geht. Die detaillierte Schilderung des Autors sind wahrscheinlich nur durch kontinuierliche Aufzeichnung entstanden. Tagebucheintragungen (?) oder ähnliches. An ein eigenes Buch war zu Beginn der Geschäfte in Russland sicher nicht zu denken.
Unter dem Titel „Red Notice“ können sich viele Leser nicht wirklich vorstellen, was da dahintersteckt. Dass es ein Auslieferungsbegehren eines Landes über die INTERPOL ist habe ich auch nicht vermutet. Nach dem Autor dieses Buches wurde also international gefahndet.
Generell möchte ich festhalten, dass in all diesen Aufzeichnungen das politische, juristische und Menschenrechts-System Russlands angeprangert wird. Wenn alles so war, wie beschrieben ist alles zurecht. Aber darüber hinaus denke ich, dass dieses Buch auch stellvertretend für viele Länder stehen kann. Ob sie sich Diktaturen oder Demokratien nennen. Ob ein ganzes Land oder eine Region. Ungerechtigkeiten rund um den Globus. Und trotzdem muss man optimistisch bleiben und Vorfälle mutig – so wie Browder – aufzeigen.

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    Ein Amerikaner, der mit jungen Jahren große Geschäfte in Russland macht und in Bedrängnis kommt. Sein Großvater war ein führender amerikanischer kommunistischer Politiker. Bill hatte die Eliteuniversität Stanford im Bereich Business abgeschlossen. Einiges probierte er nach seinem Studium. Letztlich entsann er sich seines Großvaters und wollte nach der politischen Wende im kommunistischen Osten dort aktiv werden. Seine ersten Sporen verdiente er sich in Polen und sah, dass die kommunistischen Betriebe zu günstigen Konditionen privatisiert wurden. Oligarchen bereicherten sich. Er machte sich selbstständig und wurde zum führenden Investor in Russland. Er machte den eingesessenen Oligarchen Konkurrenz. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Er wurde behindert und letztlich verfolgt. Hausdurchsuchungen und Verhaftungen folgten. Er musste das Land verlassen und brachte auch die wichtigsten und gefährdetsten Mitarbeiter nach England in Sicherheit. Einer blieb aus Überzeugung in Russland zurück: sein Anwalt Sergej Magnitski. Er wurde verhaftet und kam in verschiedene Gefängnisse. Man wollte ihm eine Aussage gegen seinen Klienten Browder abpressen. Er fühlte sich als unbescholtener Anwalt sicher und blieb standhaft bei der Wahrheit. Er bezahlte seine Ehrlichkeit mit dem Leben. Grauenvoll kam er in russischen Gefängnissen um. Alles wurde verschwiegen und beschönigt. Letztlich wurden der tote Anwalt und Browder selbst von einem russischen Gericht in Abwesenheit (der eine war ja schon tot) zu langen Kerkerstrafen verurteilt. Da wurde der Millionär Browder zum Menschenrechtsaktivisten. Er kämpfte um die Gerechtigkeit und den Imagegewinn seines ermordeten Anwalts. Er rechtfertig das im Buch so: „Wenn man mich damals an der Stanford Business School gefragt hätte, ob ich mir vorstellen könnte, ein Leben als Hedgefonds-Manager aufzugeben und Menschenrechtsaktivist zu werden, hätte ich den Fragesteller für verrückt erklärt.“ (Seite 399)
    Browder ließ keine Gelegenheit ungenützt. Beschäftigte die amerikanische und britische Regierung; machte die Öffentlichkeit mit YouTube Videos auf die Sache aufmerksam. Er riskierte dabei sein Leben, aber er gab nicht auf, bis es zu einer Unterstützung kam.
    Oft hatte man ihm abgeraten sein Leben zu riskieren. Er aber kämpfte weiter um Gerechtigkeit: „Ich tue das alles zweifellos nicht aus Tapferkeit; ich bin nicht tapferer als andere. Ich empfinde die Angst ebenso quälend, wie es jeder andere Mensch unter diesen Umständen tun würde, aber ich habe festgestellt, dass dieses Gefühl, wie sehr ich mich in bestimmten Situationen auch ängstigen mag, nicht von Dauer ist. Nach einer gewissen Zeit schwächt es sich ab. Wie jeder bestätigen wird, der eine Weile in einem Kriegsgebiet gelebt hat oder einen gefährlichen Job verrichten musste, ist der menschliche Körper nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum Angst zu empfinden. Je mehr Ereignisse dieser Art man erlebt, umso besser kommt man damit zurecht.“ (Seite 397)
    Seinen Wechsel vom Wirtschaftsbereich zum Menschenrechtsaktivisten verglich er mit einem Schwarzweiß-Fernsehapparat (=Business) und einem Breitband-Farbfernseher (=kämpfen um Menschenrechte).
    Er sieht als Hauptdrahtzieher Präsident Putin. Wie es auch immer gewesen sein mag: mit der Publizierung dieses Falls haben sich sicher viele in Russland und auch anderen Ländern in ihrer Vorgehensweise geändert. 
    Wie schon gesagt: das Buch liest sich wie ein spannender Kriminalroman, obwohl es um Realitäten geht. Die detaillierte Schilderung des Autors sind wahrscheinlich nur durch kontinuierliche Aufzeichnung entstanden. Tagebucheintragungen (?) oder ähnliches. An ein eigenes Buch war zu Beginn der Geschäfte in Russland sicher nicht zu denken.
    Unter dem Titel „Red Notice“ können sich viele Leser nicht wirklich vorstellen, was da dahintersteckt. Dass es ein Auslieferungsbegehren eines Landes über die INTERPOL ist habe ich auch nicht vermutet. Nach dem Autor dieses Buches wurde also international gefahndet.
    Generell möchte ich festhalten, dass in all diesen Aufzeichnungen das politische, juristische und Menschenrechts-System Russlands angeprangert wird. Wenn alles so war, wie beschrieben ist alles zurecht. Aber darüber hinaus denke ich, dass dieses Buch auch stellvertretend für viele Länder stehen kann. Ob sie sich Diktaturen oder Demokratien nennen. Ob ein ganzes Land oder eine Region. Ungerechtigkeiten rund um den Globus. Und trotzdem muss man optimistisch bleiben und Vorfälle mutig – so wie Browder – aufzeigen.
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