Seelenarbeit

WALSER Martin: Seelenarbeit. 2010.

Abstract

WALSER, Martin: „Seelenarbeit“, Frankfurt 1983
Aus der Sicht eines Direktionschauffeurs werden Menschen betrachtet und analysiert.
Landschaftsbeschreibung: „Hier musste sich offenbar die Ebene zuerst in Mulden senken, bevor überhaupt eine Erhebung entstehen konnte.“ (Seite 49)
Zum Patienten lässt er den Arzt sagen: „Also, lieber Herr Zürn, sie kriegen von mir kein Gramm Medizin. Ich werde nicht die Volkswirtschaft belasten, bloß um ihnen ihre Begegnung mit sich selbst zu ersparen. Sie müssen sich begegnen.“ (Seite 112)
Zum Selbstmord sagt er: „Er habe Leute dick, die so täten, als wollten sie sich wegtun, aber dann schaffen sie´s nicht. … Die wollen nichts als Mitleid schinden. Unlauterer Wettbewerb ist das. Und eine höchst unfaire Gesellschaftskritik.“ (Seite 136/137)
Die Situation, wenn man mit einem Problem schlaflos im Bett liegt beschreibt er so: „Du spürst wie es in deinem Kopf rast. Was da rast, sind die Gründe zu deinen Gunsten. Wie die Blutkörperchen rasen sie zu der Stelle, an der du verletzt worden bist. Dabei wäre dir doch am meisten geholfen, wenn du dich mit dieser Stelle nicht mehr abgeben müsstest. Alles, was dich an diese Stelle lenkt, schwächt dich. Auch wenn es als Hilfe auftritt. Aber du bist diese Stelle.“ (Seite 275)
„Was ist denn ein Sieger? Der Unterschied zwischen dem Sieger und dem Besiegten besteht nur darin, dass der Sieger an den Besiegten nur denkt, wenn er will, während der Besiegte an den Sieger denken muss, ob er will oder nicht.“ (Seite 283/284)
Eine normale Familiengeschichte. Eine Ehepaar mit zwei Kindern – Mädchen – auf dem Land. Sie bewirtschaftet einen kleinen Bauernhof und er ist Chauffeur beim Direktor einer Firma. Tagprobleme: er verliert seinen Job als Chauffeur, darf aber als Hubstaplerfahrer weiter im Betrieb bleiben; die Tochter fällt in der Schule durch und muss die Klasse wiederholen; sie hat einen Freund, der den Eltern nicht recht ist; durch den Bau einer Umfahrungsstraße verlieren sie einen großen Teil ihres Grundstücks. Probleme, die bewältigt werden müssen. Die das Leben sind.
(Hinterbrühl, 02.09.2010)

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    Aus der Sicht eines Direktionschauffeurs werden Menschen betrachtet und analysiert.
    Landschaftsbeschreibung: „Hier musste sich offenbar die Ebene zuerst in Mulden senken, bevor überhaupt eine Erhebung entstehen konnte.“ (Seite 49)
    Zum Patienten lässt er den Arzt sagen: „Also, lieber Herr Zürn, sie kriegen von mir kein Gramm Medizin. Ich werde nicht die Volkswirtschaft belasten, bloß um ihnen ihre Begegnung mit sich selbst zu ersparen. Sie müssen sich begegnen.“ (Seite 112)
    Zum Selbstmord sagt er: „Er habe Leute dick, die so täten, als wollten sie sich wegtun, aber dann schaffen sie´s nicht. … Die wollen nichts als Mitleid schinden. Unlauterer Wettbewerb ist das. Und eine höchst unfaire Gesellschaftskritik.“ (Seite 136/137)
    Die Situation, wenn man mit einem Problem schlaflos im Bett liegt beschreibt er so: „Du spürst wie es in deinem Kopf rast. Was da rast, sind die Gründe zu deinen Gunsten. Wie die Blutkörperchen rasen sie zu der Stelle, an der du verletzt worden bist. Dabei wäre dir doch am meisten geholfen, wenn du dich mit dieser Stelle nicht mehr abgeben müsstest. Alles, was dich an diese Stelle lenkt, schwächt dich. Auch wenn es als Hilfe auftritt. Aber du bist diese Stelle.“ (Seite 275)
    „Was ist denn ein Sieger? Der Unterschied zwischen dem Sieger und dem Besiegten besteht nur darin, dass der Sieger an den Besiegten nur denkt, wenn er will, während der Besiegte an den Sieger denken muss, ob er will oder nicht.“ (Seite 283/284)
    Eine normale Familiengeschichte. Eine Ehepaar mit zwei Kindern – Mädchen – auf dem Land. Sie bewirtschaftet einen kleinen Bauernhof und er ist Chauffeur beim Direktor einer Firma. Tagprobleme: er verliert seinen Job als Chauffeur, darf aber als Hubstaplerfahrer weiter im Betrieb bleiben; die Tochter fällt in der Schule durch und muss die Klasse wiederholen; sie hat einen Freund, der den Eltern nicht recht ist; durch den Bau einer Umfahrungsstraße verlieren sie einen großen Teil ihres Grundstücks. Probleme, die bewältigt werden müssen. Die das Leben sind.
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