Unverfügbarkeit

ROSA, Hartmut (2018): Unverfügbarkeit. 2018.

Abstract

ROSA, Hartmut: „Unverfügbarkeit“, Wien Salzburg 2018
Das Buch entstand im Rahmen einer Frühjahrsvorlesung zum Thema „Die Welt in Reichweite. Kritische Reflexionen zum Verhältnis von Resonanz und Verfügbarkeit“ des Literaturhauses Graz.
Schon in der Einleitung wird sehr anschaulich mit dem Beispiel eines frühen Schneefalls veranschaulicht, was wir uns untertan machen können und was nicht; was verfügbar und was unverfügbar ist. Speziell durch die im 21. Jahrhundert verstärkten „technischen Möglichkeiten der Digitalisierung und durch die polit-ökonomischen Steigerungs- und Qualitätszwänge des Finanzmarktkapitals und des entfesselten Wettbewerbs“ (Seite 12) glauben wir zunehmend alles verfügbar machen zu können. Diese Steigerungen werden nicht durch den Glauben an Lebensverbesserung, sondern durch die Angst des Verlustes des bereits Erreichten erzeugt. „Es ist nicht die Gier nach mehr, sondern die Angst vor dem Immer-weniger, die das Steigerungsspiel aufrechterhält.“ (Seite 15) Das „Mehr“ interpretiert Rosa als Reichweitenerweiterung.
Um etwas Verfügbar zu machen sind vier Elemente notwendig:
• Sichtbar Machen
• Erreichbar und zugänglich machen
• Beherrschbar machen, unter Kontrolle bringen
• Nutzbarmachen
Verfügbarmachung kehrt aber – so der Autor – ins Gegenteil. Die verfügbar gemachte Welt entzieht sich uns, ja sie bedroht uns. Das Verfügbare erscheint unverfügbar.
Ein wesentliches Werk von Hartmut Rosa ist sein Buch über die Resonanz. Im Kapitel IV dieses Buches ist diese, seine Theorie sehr gut zusammengefasst. Resonanz ist ein Beziehungsmodus, der vier Merkmale hat:
1. Moment der Berührung – etwas bewegt, berührt uns
2. Moment der Selbstwirksamkeit – nach der Berührung erfolgt eine Antwort, wie etwa Gänsehaut bei schöner Musik
3. Moment der Anverwandlung – Begegnungen, die uns „zu einem anderen Menschen machen“
4. Moment der Unverfügbarkeit – etwas lässt uns kalt – berührt uns nicht
In weiteren fünf Thesen wird die Verfügbarkeit von Dingen und die Unverfügbarkeit der Erfahrung definiert und letztlich wird das Verfügbarmachen an sechs Stationen des Lebenslaufs aufgezeigt. Von der Geburt, dem Eintritt ins Leben über die Phase der Erziehung, der Lebensplanung und dem Beruf bis hin zum Alter und dem Tod.
Im Kapitel VIII wird das Begehren nach dem Unverfügbaren beschrieben und da ringt sich Rosa zu der Aussage hin, „dass es nicht nur nicht gelingt, sondern meines Erachtens auch kaum vorstellbar ist, dass künstliche Intelligenz, dass Roboter begehren können.“ (Seite 118)
„Eine komplett verfügbar gemachte Welt wäre nicht nur reizlos, sie wäre auch resonanzlos: Es gäbe in ihr nichts mehr zu begehren.“ (Seite 121)

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    Das Buch entstand im Rahmen einer Frühjahrsvorlesung zum Thema „Die Welt in Reichweite. Kritische Reflexionen zum Verhältnis von Resonanz und Verfügbarkeit“ des Literaturhauses Graz.
    Schon in der Einleitung wird sehr anschaulich mit dem Beispiel eines frühen Schneefalls veranschaulicht, was wir uns untertan machen können und was nicht; was verfügbar und was unverfügbar ist. Speziell durch die im 21. Jahrhundert verstärkten „technischen Möglichkeiten der Digitalisierung und durch die polit-ökonomischen Steigerungs- und Qualitätszwänge des Finanzmarktkapitals und des entfesselten Wettbewerbs“ (Seite 12) glauben wir zunehmend alles verfügbar machen zu können. Diese Steigerungen werden nicht durch den Glauben an Lebensverbesserung, sondern durch die Angst des Verlustes des bereits Erreichten erzeugt. „Es ist nicht die Gier nach mehr, sondern die Angst vor dem Immer-weniger, die das Steigerungsspiel aufrechterhält.“ (Seite 15) Das „Mehr“ interpretiert Rosa als Reichweitenerweiterung. 
    Um etwas Verfügbar zu machen sind vier Elemente notwendig:
    •	Sichtbar Machen
    •	Erreichbar und zugänglich machen
    •	Beherrschbar machen, unter Kontrolle bringen
    •	Nutzbarmachen
    Verfügbarmachung kehrt aber – so der Autor – ins Gegenteil. Die verfügbar gemachte Welt entzieht sich uns, ja sie bedroht uns. Das Verfügbare erscheint unverfügbar.
    Ein wesentliches Werk von Hartmut Rosa ist sein Buch über die Resonanz. Im Kapitel IV dieses Buches ist diese, seine Theorie sehr gut zusammengefasst. Resonanz ist ein Beziehungsmodus, der vier Merkmale hat:
    1.	Moment der Berührung – etwas bewegt, berührt uns
    2.	Moment der Selbstwirksamkeit – nach der Berührung erfolgt eine Antwort, wie etwa Gänsehaut bei schöner Musik
    3.	Moment der Anverwandlung – Begegnungen, die uns „zu einem anderen Menschen machen“
    4.	Moment der Unverfügbarkeit – etwas lässt uns kalt – berührt uns nicht
    In weiteren fünf Thesen wird die Verfügbarkeit von Dingen und die Unverfügbarkeit der Erfahrung definiert und letztlich wird das Verfügbarmachen an sechs Stationen des Lebenslaufs aufgezeigt. Von der Geburt, dem Eintritt ins Leben über die Phase der Erziehung, der Lebensplanung und dem Beruf bis hin zum Alter und dem Tod.
    Im Kapitel VIII wird das Begehren nach dem Unverfügbaren beschrieben und da ringt sich Rosa zu der Aussage hin, „dass es nicht nur nicht gelingt, sondern meines Erachtens auch kaum vorstellbar ist, dass künstliche Intelligenz, dass Roboter begehren können.“ (Seite 118) 
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