Weltmacht China. Mit einem Vorwort von Hugo Portisch

LÖW, Raimund, WITT-LÖW, Kerstin (2018): Weltmacht China. Mit einem Vorwort von Hugo Portisch. 2018.

Abstract

LÖW, Raimund; WITT-LÖW, Kerstin: „Weltmacht China. Mit einem Vorwort von Hugo Portisch“, Salzburg Wien 2018
Seit fast 40 Jahren fahre ich regelmäßig nach China. Nicht zum Urlauben, sondern zum Arbeiten. Dabei – so dachte ich – lernt man ein Land besser kennen. Das vorliegende Buch zeigt mir, dass man immer noch Wissenslücken hat, die die beiden Autoren auffüllen. Zwar besitzen sie keine langjährige Erfahrung; lediglich drei Jahre haben sie in Beijing gewohnt (und die Hauptstadt ist anders als das Land China), aber sie berichten dadurch sehr aktuell und so wie es heute ist.
Das Vorwort von Hugo Portisch wirkt aufs Erste als marketingtechnische Aktion um dem Buch mehr Attraktivität zu verleihen. Portisch gibt aber in seinem Vorwort sehr gute Informationen. Er, der schon vor 40 Jahren China bereiste und beschrieb stellt Vergleiche mit heute her und ist aktuell, wie man es von einem 90-jährigen nicht erwarten würde.
Löw analysiert die aktuelle Lage aus eigenen Erfahrungen heraus. Dadurch bekommt es Aktualität. Viele Menschen, die vor zehn Jahren in China waren glauben China zu kennen. China aber ändert sich in sehr kurzer Zeit. Kommt man nach einigen Monaten wieder stehen schon wieder neue Wolkenkratzer und man hat Probleme sich zurecht zu finden. Löw bringt Neues aus China. Das macht das Buch auch für „China-Kenner“ interessant.
Dem Projekt „Seiden Straße“ gibt er Zahlen und Fakten, aber auch die Hintergründe. Länder bekommen für den Ausbau Kredite. Diese müssen aber zurückgezahlt werden. Die Finanzierung ist kein Marshal Plan, bei der es um Geschenke geht. Können die kreditnehmenden Länder nicht mehr zurückzahlen müssen sie Naturalien geben. Lieferungen von Rohstoffen, Lebensmitteln oder Geräten. Auch kann es zur Enteignung kommen, wie vor Kurzem als ein Land einen Hafen in chinesisches Eigentum übertragen musste.
Dass China den Anspruch auf die Weltmachtführung erhebt zeigt sich in fast allen Kapiteln des Buches. Dies führt auch zu einem Konflikt mit den USA, was speziell unter einem Präsidenten wie Donald Trump zu Extremen werden kann. Gebietsansprüche, wie unbewohnte Inseln im Chinesischen Meer sind nur Vorbehalte. In Wahrheit steht die Kontrolle der Seewege dahinter.
Auch Themen wie die Behandlung der Minderheiten – Tibeter und Uiguren – werden sehr sachlich analysiert und mögliche Szenarien dargestellt.
Die technologische Führerschaft wird mit Zahlen festgemacht: 770 Millionen Internetnutzer; alleine das Werk von Foxconn in Zhengzhou produziert jeden Tag 500.000 iPhones; Leihräder mit eingebautem GPS können via Apps bezogen werden – alleine in der Hauptstadt Beijing sind es über 2 Millionen; zwei von drei Bürgern benützen WeChat – eine Plattform die mehr kann als das im Westen verwendete WhatsApp: man kann damit zahlen wie mit einer Kreditkarte, Taxi bestellen, Fotos tauschen, Nachrichten verschicken, Geld überweisen und vieles mehr. All diese neue Technik wird auch angenommen. „Chinesen überweisen über ihre Smartphones elfmal mehr Geldbeträge als die Amerikaner. Das Online-Geschäftsvolumen in China ist doppelt so groß wie in den USA.“ (Seite 139)
Vieles ist nur möglich mit den billiger arbeitenden Wanderarbeitern. Alleine in Beijing mit seinen 23 Millionen Einwohnern sind 8 Millionen Wanderarbeiter.
Nicht nur bestehende Städte wachsen und werden ausgebaut. Südlich von Beijing wurde eine neue Stadt nach neuesten Gesichtspunkten gegründet die 2035 (also in 15 Jahren) 5 Millionen Einwohner zählen soll.
Aber auch der reichen Chinesen wird gedacht. Sie sind von der kommunistischen Regierung erwünscht und gebraucht. 70% der Wirtschaftsbetriebe sind privat. Nur strategische Unternehmen wie Energie, Telekommunikation und Luftfahrt sind im Staatsbesitz. Sogar in der Vertretung im Volkskongress sitzen sie: „…die 153 Superreichen im Volkskongress“ verfügen „2018 über ein Vermögen von 650 Milliarden Dollar.“ (Seite 33) Einer von ihnen – der Gründer des Internet-Riesen Tencent - ist mit 47 Milliarden Dollar der reichste Chinese.
Das vorliegende Buch hat nicht nur ein Vorwort von Hugo Portisch, es ist auch im Stil von Portisch geschrieben: Informativ, interessant, aktuell und leicht lesbar. Rainhard Löw endet mit der These, dass Chinesen demnächst so viel „Gewicht bekommen. Die Welt muss sich darauf einstellen, dass nicht alles so bleiben kann, wie es ist.“ (Seite 251) Die Auszüge aus dem Tagebuch seiner Frau Kerstin sind ergänzend zu den einzelnen Kapitel des Buches. Sie wirken persönlich und hautnah am Geschehen. Sie haben auch das letzte Wort im Buch und beschreiben das Übersiedeln von Beijing in die Heimat Wien.

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    Das Vorwort von Hugo Portisch wirkt aufs Erste als marketingtechnische Aktion um dem Buch mehr Attraktivität zu verleihen. Portisch gibt aber in seinem Vorwort sehr gute Informationen. Er, der schon vor 40 Jahren China bereiste und beschrieb stellt Vergleiche mit heute her und ist aktuell, wie man es von einem 90-jährigen nicht erwarten würde.
    Löw analysiert die aktuelle Lage aus eigenen Erfahrungen heraus. Dadurch bekommt es Aktualität. Viele Menschen, die vor zehn Jahren in China waren glauben China zu kennen. China aber ändert sich in sehr kurzer Zeit. Kommt man nach einigen Monaten wieder stehen schon wieder neue Wolkenkratzer und man hat Probleme sich zurecht zu finden. Löw bringt Neues aus China. Das macht das Buch auch für „China-Kenner“ interessant.
    Dem Projekt „Seiden Straße“ gibt er Zahlen und Fakten, aber auch die Hintergründe. Länder bekommen für den Ausbau Kredite. Diese müssen aber zurückgezahlt werden. Die Finanzierung ist kein Marshal Plan, bei der es um Geschenke geht. Können die kreditnehmenden Länder nicht mehr zurückzahlen müssen sie Naturalien geben. Lieferungen von Rohstoffen, Lebensmitteln oder Geräten. Auch kann es zur Enteignung kommen, wie vor Kurzem als ein Land einen Hafen in chinesisches Eigentum übertragen musste. 
    Dass China den Anspruch auf die Weltmachtführung erhebt zeigt sich in fast allen Kapiteln des Buches. Dies führt auch zu einem Konflikt mit den USA, was speziell unter einem Präsidenten wie Donald Trump zu Extremen werden kann. Gebietsansprüche, wie unbewohnte Inseln im Chinesischen Meer sind nur Vorbehalte. In Wahrheit steht die Kontrolle der Seewege dahinter. 
    Auch Themen wie die Behandlung der Minderheiten – Tibeter und Uiguren – werden sehr sachlich analysiert und mögliche Szenarien dargestellt. 
    Die technologische Führerschaft wird mit Zahlen festgemacht: 770 Millionen Internetnutzer; alleine das Werk von Foxconn in Zhengzhou produziert jeden Tag 500.000 iPhones; Leihräder mit eingebautem GPS können via Apps bezogen werden – alleine in der Hauptstadt Beijing sind es über 2 Millionen; zwei von drei Bürgern benützen WeChat – eine Plattform die mehr kann als das im Westen verwendete WhatsApp: man kann damit zahlen wie mit einer Kreditkarte, Taxi bestellen, Fotos tauschen, Nachrichten verschicken, Geld überweisen und vieles mehr. All diese neue Technik wird auch angenommen. „Chinesen überweisen über ihre Smartphones elfmal mehr Geldbeträge als die Amerikaner. Das Online-Geschäftsvolumen in China ist doppelt so groß wie in den USA.“ (Seite 139)
    Vieles ist nur möglich mit den billiger arbeitenden Wanderarbeitern. Alleine in Beijing mit seinen 23 Millionen Einwohnern sind 8 Millionen Wanderarbeiter. 
    Nicht nur bestehende Städte wachsen und werden ausgebaut. Südlich von Beijing wurde eine neue Stadt nach neuesten Gesichtspunkten gegründet die 2035 (also in 15 Jahren) 5 Millionen Einwohner zählen soll. 
    Aber auch der reichen Chinesen wird gedacht. Sie sind von der kommunistischen Regierung erwünscht und gebraucht. 70% der Wirtschaftsbetriebe sind privat. Nur strategische Unternehmen wie Energie, Telekommunikation und Luftfahrt sind im Staatsbesitz. Sogar in der Vertretung im Volkskongress sitzen sie: „…die 153 Superreichen im Volkskongress“ verfügen „2018 über ein Vermögen von 650 Milliarden Dollar.“ (Seite 33) Einer von ihnen – der Gründer des Internet-Riesen Tencent - ist mit 47 Milliarden Dollar der reichste Chinese.
    Das vorliegende Buch hat nicht nur ein Vorwort von Hugo Portisch, es ist auch im Stil von Portisch geschrieben: Informativ, interessant, aktuell und leicht lesbar. Rainhard Löw endet mit der These, dass Chinesen demnächst so viel „Gewicht bekommen. Die Welt muss sich darauf einstellen, dass nicht alles so bleiben kann, wie es ist.“ (Seite 251) Die Auszüge aus dem Tagebuch seiner Frau Kerstin sind ergänzend zu den einzelnen Kapitel des Buches. Sie wirken persönlich und hautnah am Geschehen. Sie haben auch das letzte Wort im Buch und beschreiben das Übersiedeln von Beijing in die Heimat Wien. 
    
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