Alles ist lächerlich

BERNHARD Thomas: Ich. 2009.

Abstract

BERNHARD, Thomas: „Ich“, Frankfurt 2006
Bernhard als Schreiber versteckt sich hinter einem einsamen Naturwissenschaftler, der plötzlich durch den Kontakt mit einer Perserin kommunikativ wird. Wie er so mit ihr ins Gespräch kommt unterscheidet er zwischen „Gesprächigkeit“ und „Redebedürfnis“. Beides ist viel reden, aber jedes hat einen anderen Ursprung. Sie als Ausländerin spricht ein anderes Deutsch als er. Er nennt es „eine Erfrischung meines Gehörs und meines ganzen, gerade für solche exotischen Sprachmelodien empfänglichen Geisterzustandes bewirkt, durch die Art und Weise ihres Sprechens und Denkens, das, folgerichtig, Sprechen aus dem Denken und Denken aus dem Sprechen entwickelte, als wäre das Ganze ein mathematischer, ein philosophisch-mathematischer und durchaus konsequent ein philosophisch-mathematisch-musikalischer Vorgang …“ (Seite 15)
Bernhard verwendet hier einen Stil, der keine Absätze kennt – das Buch ist in einer Wurst durchgeschrieben – und sich aus seitenlangen Sätzen zusammen setzt. Als Leser gewöhnt man sich aber nach einigen Seiten an diese eigenartige Form.
Bernhard war ja zeitlebens ein depressiver Mensch, daher kann er auch die depressive Romanfigur sehr gut beschreiben
Vieles in Österreich hat er negativ gesehen und schreibt das auch:
• Über die Philosophen: „… diese heute so Bezeichneten sind in Wahrheit nur fälschlich und vollkommen irreführend so bezeichnet und nichts anderes als ganz gemeine stumpfsinnige, antisensible Philosophiewiederkäuer…“ (Seite 91/92)
• „…Linz die abstoßendste und die durch und durch hässlichste österreichische Stadt…“ (Seite 113)
In der im Roman vorkommenden Perserin sieht er eine Frau, die ihr Leben für die Karriere ihres Mannes geopfert hat, der sie gar nicht geheiratet hat. Sie hat sich wegen ihm aufgegeben. Er sei glücklich gewesen sie zu haben, denn „Millionen von außerordentlichen Talenten an jedem Tag in aller Welt verkümmern müssen, weil sie von keinem aufgehoben und angepackt und entwickelt werden.“ (Seite 114)
Die Perserin ist aber auch ein Spiegelbild seiner eigenen depressiven Haltung, nur dass die Frau als Konsequenz den Selbstmord wählt (den der Autor selber später auch macht).
(Ouranoupolis, 28.06.2009)

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    Bernhard verwendet hier einen Stil, der keine Absätze kennt – das Buch ist in einer Wurst durchgeschrieben – und sich aus seitenlangen Sätzen zusammen setzt. Als Leser gewöhnt man sich aber nach einigen Seiten an diese eigenartige Form. 
    Bernhard war ja zeitlebens ein depressiver Mensch, daher kann er auch die depressive Romanfigur sehr gut beschreiben
    Vieles in Österreich hat er negativ gesehen und schreibt das auch:
    • Über die Philosophen: „… diese heute so Bezeichneten sind in Wahrheit nur fälschlich und vollkommen irreführend so bezeichnet und nichts anderes als ganz gemeine stumpfsinnige, antisensible Philosophiewiederkäuer…“ (Seite 91/92)
    • „…Linz die abstoßendste und die durch und durch hässlichste österreichische Stadt…“ (Seite 113)
    In der im Roman vorkommenden Perserin sieht er eine Frau, die ihr Leben für die Karriere ihres Mannes geopfert hat, der sie gar nicht geheiratet hat. Sie hat sich wegen ihm aufgegeben. Er sei glücklich gewesen sie zu haben, denn „Millionen von außerordentlichen Talenten an jedem Tag in aller Welt verkümmern müssen, weil sie von keinem aufgehoben und angepackt und entwickelt werden.“ (Seite 114)
    Die Perserin ist aber auch ein Spiegelbild seiner eigenen depressiven Haltung, nur dass die Frau als Konsequenz den Selbstmord wählt (den der Autor selber später auch macht).
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