Der Blick in die Weite – Geschichten und Märchen von Heimatlosen

KÖHLMEIER Michael: Der Blick in die Weite – Geschichten und Märchen von Heimatlosen. 2008.

Abstract

KÖHLMEIER, Michael: „Der Blick in die Weite – Geschichten und Märchen von Heimatlosen“, München Zürich 2001
Maler im Mittelalter unterhielten Werkstätten mit vielen Angestellten. Man kann heute nur mehr schwer sagen, was der Meister selbst gemalt hat und was seine Angestellten oder Schüler. Bei Köhlmeier habe ich oft den Eindruck, er produziert so viel, er muss ebenfalls so eine „Schreiberwerkstatt“ haben. Auch wegen der Verschiedenheit seiner Themen. Aber gerade das macht seine Qualität. Im vorliegenden Buch, das nur aus Kurzgeschichten besteht – Märchen und Geschichten wie er es nennt – ist die Vielfalt alleine in einem Buch gegeben. Geschichten aus verschiedensten Ländern, aus verschiedensten Zeiten und zu verschiedensten Themen. Ein Lesegenuss.
„Erst als meine Großmutter schon längst gestorben war, kam mir der Gedanke, dass ihr die Gegenwart fremd war, ein bedrohlicher Zustand, bedrohlich deshalb, weil die Gegenwart, die als einzige Realität beanspruchen kann – die Vergangenheit ist nicht mehr, die Zukunft ist noch nicht – Vergangenheit und Zukunft in den Bereich des Märchenhaften, des Nicht-Wirklichen abdrängt“ (Seite 12)
In der Geschichte „Männer, die sich nicht rasieren“ wettet ein Dorfbewohner mit dem Frisör, ob er alle Einwohner des Dorfes in einer Woche rasieren kann, die sich selbst nicht rasieren. Nach der Woche kommt er wieder und fragt, ob er sich selbst rasiert habe. „Nein“. Ein unlösbares Problem: „Wenn er sich selber rasiert hätte, wäre er ja einer, der sich selber rasiert, und dann dürfte er sich nicht rasieren.“ (Seite 130)
(Prishtina , 14.01.2008)

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    „Erst als meine Großmutter schon längst gestorben war, kam mir der Gedanke, dass ihr die Gegenwart fremd war, ein bedrohlicher Zustand, bedrohlich deshalb, weil die Gegenwart, die als einzige Realität beanspruchen kann – die Vergangenheit ist nicht mehr, die Zukunft ist noch nicht – Vergangenheit und Zukunft in den Bereich des Märchenhaften, des Nicht-Wirklichen abdrängt“ (Seite 12)
    In der Geschichte „Männer, die sich nicht rasieren“ wettet ein Dorfbewohner mit dem Frisör, ob er alle Einwohner des Dorfes in einer Woche rasieren kann, die sich selbst nicht rasieren. Nach der Woche kommt er wieder und fragt, ob er sich selbst rasiert habe. „Nein“. Ein unlösbares Problem: „Wenn er sich selber rasiert hätte, wäre er ja einer, der sich selber rasiert, und dann dürfte er sich nicht rasieren.“ (Seite 130)
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