Dianas Liste

KUCHS, Wilhelm: Dianas Liste. 2017.

Abstract

KUEHS, Wilhelm: „Dianas Liste“, Innsbruck Wien 2017
Vergangenheitsbewältigung wird zunehmend von den Folgegenerationen gemacht. So auch der 1972 geborene Autor dieses Romans – Wilhelm Kuehs. Er widmet sich einer Frau, die während des Zweiten Weltkriegs in Kroatien über 10.000 Kinder vor dem Tod gerettet hat. Das Buch gibt auch Einblick in die Vorgänge und Verhältnisse im damaligen Kroatien. Kroatien wurde durch Hitlers Akzeptanz als eigener Staat geführt, wenngleich auch im Hintergrund die Deutsche Wehrmacht und SS mitbestimmten. Die Armee der nationalen Regierung Ustaca agierte unprofessionell und brutal. Ihr Ziel war es die Serbien im kroatischen Staat auszurotten. „.. das Programm des Ustaca-Staates auf den Punkt gebracht … Ein Drittel der Serben müsse man vertreiben, ein Drittel zum katholischen Glauben bekehren und das letzte Drittel töten.“ (Seite 247)
Dementsprechend war auch das Vorgehen gegen die serbischen Kinder:
• Sie warfen „Säuglinge in die Luft und fingen sie mit ihren Bajonetten wieder auf.“ (Seite 218)
• Eine Kugel zum Erschießen war oft zu teuer und man erschlug die Kinder mit einem Hammer.
• Um sich selbst umzubringen verteilten sie seucheninfizierte Kinder auf andere Lager, damit auch dort die Kinder von selbst sterben.
Auch die katholische Kirche – die eng mit dem neuen kroatischen Staat zusammen gearbeitet hatte – nahm teilweise an den Gräueltaten teil:
• „Der ehemalige Franziskanerpater und Ustaca-Seelsorger liebte es, die abgeschnittenen Köpfe seiner Opfer als Spalier vor dem Eingang seiner Villa aufzustellen.“ (Seite 176)
• In einem Kloster, wo Kinder interniert waren wurden diese gedemütigt und verängstigt. „Und in der Nacht schlich ein als Teufel verkleideter Priester durch die Räume und schlug mit einer Eisenkette auf die Kinder ein.“ (Seite 165)
Frau Diana Budisavljevic, die Zentralfigur des vorliegenden Romans kümmerte sich aber um Kinder. Kranke Kinder, verwahrloste Kinder, Kinder die ihre Eltern verloren hatten. Viele Kinder blieben alleine zurück, weil der kroatische Staat sich verpflichtet hatte bis zu 150.000 Fremdarbeiter jährlich an Deutschland zu liefern. Deutschland brauchte sie für die Kriegsindustrie. Die kroatische Regierung rekrutierte am leichtesten Serben, die man ohnehin im Land nicht haben wollte. Deren Kinder kamen in Lager, wo sie in großer Zahl starben (entsorgt wurden). Diana kämpfte um diese Kinder. Sie startete Hilfsaktionen, holte Kinder aus den Konzentrationslagern und versorgte sie. Selbst war sie zwar Österreicherin (aus Innsbruck), aber ihr Mann – ein Arzt – Serbe. Da er aber aus einer angesehenen Familie kam hatte Diana mehr Akzeptanz, war aber trotzdem von Schikanen nicht befreit. In der Zeit von 1941 bis 1945 hat sie so über 10.000 Kinder gerettet und riesige Geldspenden (3 Millionen Kuna) aufgestellt. Ein wesentlicher Verdienst von ihr war es, dass sie von jedem Kind eine Kartei anlegte, damit es nach dem Krieg von den Eltern wieder gefunden werden konnte.
Diana Budisavljevic steht als zentrale Figur des Romans, zeigt aber die generellen Verhältnisse. „Sie ist eine Heldin im besten Sinn. Jede Zeit, aber unsere ganz besonders, braucht solche Vorbilder.“ (Seite 252)
Ein schweres Buch. Ein Buch, das wohl Niemanden, der es liest kalt lassen wird. Es schildert Zeiten, wie sie heute wieder mit dem Islamischen Staat auftreten, wie sie sich aber Niemand in Europa wünscht.

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    Dementsprechend war auch das Vorgehen gegen die serbischen Kinder:
    •	Sie warfen „Säuglinge in die Luft und fingen sie mit ihren Bajonetten wieder auf.“ (Seite 218)
    •	Eine Kugel zum Erschießen war oft zu teuer und man erschlug die Kinder mit einem Hammer.
    •	Um sich selbst umzubringen verteilten sie seucheninfizierte Kinder auf andere Lager, damit auch dort die Kinder von selbst sterben.
    Auch die katholische Kirche – die eng mit dem neuen kroatischen Staat zusammen gearbeitet hatte – nahm teilweise an den Gräueltaten teil: 
    •	„Der ehemalige Franziskanerpater und Ustaca-Seelsorger liebte es, die abgeschnittenen Köpfe seiner Opfer als Spalier vor dem Eingang seiner Villa aufzustellen.“ (Seite 176)
    •	In einem Kloster, wo Kinder interniert waren wurden diese gedemütigt und verängstigt. „Und in der Nacht schlich ein als Teufel verkleideter Priester durch die Räume und schlug mit einer Eisenkette auf die Kinder ein.“ (Seite 165)
    Frau Diana Budisavljevic, die Zentralfigur des vorliegenden Romans kümmerte sich aber um Kinder. Kranke Kinder, verwahrloste Kinder, Kinder die ihre Eltern verloren hatten. Viele Kinder blieben alleine zurück, weil der kroatische Staat sich verpflichtet hatte bis zu 150.000 Fremdarbeiter jährlich an Deutschland zu liefern. Deutschland brauchte sie für die Kriegsindustrie. Die kroatische Regierung rekrutierte am leichtesten Serben, die man ohnehin im Land nicht haben wollte. Deren Kinder kamen in Lager, wo sie in großer Zahl starben (entsorgt wurden). Diana kämpfte um diese Kinder. Sie startete Hilfsaktionen, holte Kinder aus den Konzentrationslagern und versorgte sie. Selbst war sie zwar Österreicherin (aus Innsbruck), aber ihr Mann – ein Arzt – Serbe. Da er aber aus einer angesehenen Familie kam hatte Diana mehr Akzeptanz, war aber trotzdem von Schikanen nicht befreit. In der Zeit von 1941 bis 1945 hat sie so über 10.000 Kinder gerettet und riesige Geldspenden (3 Millionen Kuna) aufgestellt. Ein wesentlicher Verdienst von ihr war es, dass sie von jedem Kind eine Kartei anlegte, damit es nach dem Krieg von den Eltern wieder gefunden werden konnte.
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