Labyrinth, Stoffe I – III, Der Winterkrieg in Tibet, Mondfinsternis, Der Rebell

Friedrich DÜRRENMATT: Labyrinth, Stoffe I – III, Der Winterkrieg in Tibet, Mondfinsternis, Der Rebell. 2021.

Abstract

DÜRRENMATT, Friedrich: „Labyrinth, Stoffe I – III, Der Winterkrieg in Tibet, Mondfinsternis, Der Rebell“, Zürich 1998
Der 1921 geborene Dichter Friedrich Dürrenmatt beschäftigte sich mit einer Art Biografie seit 1964. Es ging ihm – neben einer Beschreibung des eigenen Lebens - um Ergänzungen und Argumentationen seiner Werke. Diesem Thema ging er dann ab 1969 intensiver nach. Der Verlag teilt das Manuskript in mehrere Bücher auf. Der hier besprochene Teil erschien 1981 und umfasst 3 Geschichten:
„Der Winterkrieg in Tibet“,
„Mondfinsternis“ und
„Der Rebell“.
Alle drei Themen hatten in älteren Werken schon Abhandlungen gefunden. Hier wird versucht die ursprüngliche Idee abzubilden.
Der Winterkrieg ist eine Art Dritter Weltkrieg. Aber immer wieder ist das persönliche, eigene Leben eingeflochten. Etwa in der Formulierung „Ich machte eine gutbürgerliche Jugend wie eine Krankheit durch, ohne Kenntnisse der Gesellschaft und ihrer Zusammenhänge, behütet, ohne behütet zu sein, immer wieder gegen einen Zustand anrennend, der nicht zu ändern war.“ (Seite 50) Interessant auch seine Sicht der Position, die die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs einnahm. Die Schweiz war isoliert. Er kam als Jugendlicher nur mit dem Fahrrad ins Ausland. Selbst war er dann zum Militärdienst eingezogen, den er mit wenig Überzeugung ableistete. Er sah auch die Gefahr der Schweiz. Einerseits neutral zu sein und andererseits den Deutschen Truppen Transporte durch ihr Land zu erlauben. Die Abweisung der vielen Juden an der Grenze luden Schuld auf das Land. Frieden wäre besser gewesen. Gott sei für den Frieden zuständig, der habe aber „andere Pläne oder war anderswo beschäftigt.“ (Seite 60)
In der Mondfinsternis erzählt er vom Vater, der Pfarrer war und dessen Einfluss auf sein Leben. Wie er als Student erstmals von zu Hause weg lebte und wie es ihm dabei erging. In der eigentlichen Geschichte „Mondfinsternis“ geht es um einen, in Kanada reich gewordenen Dorfbewohner, der im Alter zurückkommt, um sich an einem Nebenbuhler zu rächen. In Übersee war er reich geworden und bietet den Bewohnern des kleinen Bergdorfs mehrere Millionen an, wenn sie diesen Mann ermorden. Sie machen es für Geld. Die Konflikte und Streitigkeiten ergeben ein interessantes Thema. Letztlich kommt der Reiche aber selbst um.
Im „Rebell“ erzählt er zu Beginn wieder persönlich von seiner Zeit in der Rekrutenschule, um dann zum Thema zu kommen. Ein Bub hat eine alleinerziehende Mutter. Sie geht täglich fein gekleidet aus und kommt erst am Morgen wieder heim. Irgendwann bleibt sie dann ganz weg. Von seinem Vater weiß er nur wenig, forscht aber mit zunehmendem Interesse nach. Er reist den Spuren des Vaters nach und kommt in ein fernes Land, dessen Sprache auch sein Vater sprach und die er sich selbst angelernt hatte. Dort wird er selbst zum Rebell. Wie ein Erlöser wird er erwartet, damit das Volk von einer unterdrückenden Herrschaft befreit würde.

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    Alle drei Themen hatten in älteren Werken schon Abhandlungen gefunden. Hier wird versucht die ursprüngliche Idee abzubilden.
    Der Winterkrieg ist eine Art Dritter Weltkrieg. Aber immer wieder ist das persönliche, eigene Leben eingeflochten. Etwa in der Formulierung „Ich machte eine gutbürgerliche Jugend wie eine Krankheit durch, ohne Kenntnisse der Gesellschaft und ihrer Zusammenhänge, behütet, ohne behütet zu sein, immer wieder gegen einen Zustand anrennend, der nicht zu ändern war.“ (Seite 50) Interessant auch seine Sicht der Position, die die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs einnahm. Die Schweiz war isoliert. Er kam als Jugendlicher nur mit dem Fahrrad ins Ausland. Selbst war er dann zum Militärdienst eingezogen, den er mit wenig Überzeugung ableistete. Er sah auch die Gefahr der Schweiz. Einerseits neutral zu sein und andererseits den Deutschen Truppen Transporte durch ihr Land zu erlauben. Die Abweisung der vielen Juden an der Grenze luden Schuld auf das Land. Frieden wäre besser gewesen. Gott sei für den Frieden zuständig, der habe aber „andere Pläne oder war anderswo beschäftigt.“ (Seite 60)
    In der Mondfinsternis erzählt er vom Vater, der Pfarrer war und dessen Einfluss auf sein Leben. Wie er als Student erstmals von zu Hause weg lebte und wie es ihm dabei erging. In der eigentlichen Geschichte „Mondfinsternis“ geht es um einen, in Kanada reich gewordenen Dorfbewohner, der im Alter zurückkommt, um sich an einem Nebenbuhler zu rächen. In Übersee war er reich geworden und bietet den Bewohnern des kleinen Bergdorfs mehrere Millionen an, wenn sie diesen Mann ermorden. Sie machen es für Geld. Die Konflikte und Streitigkeiten ergeben ein interessantes Thema. Letztlich kommt der Reiche aber selbst um.
    Im „Rebell“ erzählt er zu Beginn wieder persönlich von seiner Zeit in der Rekrutenschule, um dann zum Thema zu kommen. Ein Bub hat eine alleinerziehende Mutter. Sie geht täglich fein gekleidet aus und kommt erst am Morgen wieder heim. Irgendwann bleibt sie dann ganz weg. Von seinem Vater weiß er nur wenig, forscht aber mit zunehmendem Interesse nach. Er reist den Spuren des Vaters nach und kommt in ein fernes Land, dessen Sprache auch sein Vater sprach und die er sich selbst angelernt hatte. Dort wird er selbst zum Rebell. Wie ein Erlöser wird er erwartet, damit das Volk von einer unterdrückenden Herrschaft befreit würde.
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