Was jetzt

PORTISCH, Hugo: Was jetzt. 2017.

Abstract

PORTISCH, Hugo: „Was jetzt“, Salzburg 2011
Ein sehr beeindruckendes kleines Buch. Portisch erklärt hier die historische Entstehung der Europäischen Union mit ihren Vorläufern. Wie nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikaner die europäischen Länder über den Marshallplan zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit gezwungen haben. Wie daraus die Montanunion entstand. Zuerst verwalteten die beiden Kriegsfeinde Frankreich und Deutschland die Stahlindustrie und den Kohleabbau – damals der wichtigste Energieträger. Damit wurde ein weiterer Krieg verhindert, weil ohne diese beiden Zweige eine militärische Aufrüstung nicht möglich war. Da dies sehr gut funktionierte schlossen sich andere Länder, wie die Benelux Staaten und Italien an. Daraus entstand dann der EWR, ein Wirtschaftsbündnis. Europa war noch unter politisch zweigeteiltem Einfluss und die Sowjets erlaubten einigen Ländern keine Teilnahme. Sie schlossen sich dann zur EFTA zusammen, die sich wieder an die EWG anlehnte. Später kam es zur Vereinigung. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus war es kein wirtschaftlicher, sondern ein friedensbildender Akt, dass die osteuropäischen Länder aufgenommen wurden.
Aber Portisch erinnert auch an Österreichs Geschichte und die Wirtschaftspleite der 20er und 30er Jahre. Ohne einer finanziellen Unterstützung des Völkerbunds wäre Österreich unregierbar geblieben. Die gewährten Kredite wurden zurückgezahlt. Bis zum Zweiten Weltkrieg und noch nach dem Krieg – bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Auflagen der Kreditgeber waren mit der Situation Griechenlands vergleichbar: Entlassung von 100.000 Staatsbeamten, Einschränkung des Gesundheitswesens, Reduzierung der Schulen, Einführung von Schul- und Studiengeldern, Auflassung von Postämtern, Zusammenlegung der föderalistischen Finanzämter etc.
Nach dem Zweiten Weltkrieg half der amerikanische Marshallplan den verarmten europäischen Staaten und das war ein nicht rückzahlbares Geld. Ein Vorgang, den die heute reichen europäischen Länder dem verarmten Griechenland nicht gewähren. Dabei – so Portisch – war der Marshallplan kein Nachteil für die USA. Auch sie profitierten daraus.
Die Schuld für die heutige Situation der EU und das Erstarken der nationalistischen Europagegner sieht Portisch im schlechten Informationssystem der Europapolitiker und –beamten. Die Bürger seien schlecht informiert.
In unserer globalen Welt sei Europa aber mit einer reinen Währungsunion nicht schlagkräftig genug. Es müsse zu einer Wirtschafts- und Währungsunion kommen. Nur so können die 500 Millionen Europäer gegen die USA und China bestehen oder sogar eine Weltwirtschaftsführung übernehmen.
Im Nachwort wird der Autor dann sehr persönlich und berichtet, wie er im Jahr 1946 als Student im Wiener Rathaus im Schutt nach Büchern der Stadtbibliothek suchte. Nur wer 4 Wochen bei der Beseitigung der Bombenschäden mitgearbeitet hatte durfte an der Universität inskribieren.
Portisch legt hier ein historisches Dokument vor, anhand dessen man die heutige Gegenwart besser verstehen kann. Es sollte ein Schulbuch werden und für alle Politiker sollte es eine Zwangsliteratur werden.

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    Ein sehr beeindruckendes kleines Buch. Portisch erklärt hier die historische Entstehung der Europäischen Union mit ihren Vorläufern. Wie nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikaner die europäischen Länder über den Marshallplan zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit gezwungen haben. Wie daraus die Montanunion entstand. Zuerst verwalteten die beiden Kriegsfeinde Frankreich und Deutschland die Stahlindustrie und den Kohleabbau – damals der wichtigste Energieträger. Damit wurde ein weiterer Krieg verhindert, weil ohne diese beiden Zweige eine militärische Aufrüstung nicht möglich war. Da dies sehr gut funktionierte schlossen sich andere Länder, wie die Benelux Staaten und Italien an. Daraus entstand dann der EWR, ein Wirtschaftsbündnis. Europa war noch unter politisch zweigeteiltem Einfluss und die Sowjets erlaubten einigen Ländern keine Teilnahme. Sie schlossen sich dann zur EFTA zusammen, die sich wieder an die EWG anlehnte. Später kam es zur Vereinigung. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus war es kein wirtschaftlicher, sondern ein friedensbildender Akt, dass die osteuropäischen Länder aufgenommen wurden. 
    Aber Portisch erinnert auch an Österreichs Geschichte und die Wirtschaftspleite der 20er und 30er Jahre. Ohne einer finanziellen Unterstützung des Völkerbunds wäre Österreich unregierbar geblieben. Die gewährten Kredite wurden zurückgezahlt. Bis zum Zweiten Weltkrieg und noch nach dem Krieg – bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Auflagen der Kreditgeber waren mit der Situation Griechenlands vergleichbar: Entlassung von 100.000 Staatsbeamten, Einschränkung des Gesundheitswesens, Reduzierung der Schulen, Einführung von Schul- und Studiengeldern, Auflassung von Postämtern, Zusammenlegung der föderalistischen Finanzämter etc.
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    In unserer globalen Welt sei Europa aber mit einer reinen Währungsunion nicht schlagkräftig genug. Es müsse zu einer Wirtschafts- und Währungsunion kommen. Nur so können die 500 Millionen Europäer gegen die USA und China bestehen oder sogar eine Weltwirtschaftsführung übernehmen.
    Im Nachwort wird der Autor dann sehr persönlich und berichtet, wie er im Jahr 1946 als Student im Wiener Rathaus im Schutt nach Büchern der Stadtbibliothek suchte. Nur wer 4 Wochen bei der Beseitigung der Bombenschäden mitgearbeitet hatte durfte an der Universität inskribieren.
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